Xiaomi attackiert mit Kampfpreisen

Mit der Weltpremiere in Europa und mit absoluten Kampfpreisen will Xiaomi weitere Marktanteile erobern. Das 12T und das 12T Pro liefern erstaunlich viele Features zu Preisen von 600 bis 800 Franken. Und sogar Premieren wie eine 200-Megapixel-Kamera.

TextLorenz Keller


Dass die zwei neuen Smartphones in München vorgestellt wurden, ist sicher kein Zufall. Europa ist ein wichtiges Expansionsfeld für den chinesischen Hersteller. Und das will Xiaomi mit den bekannten Zutaten attackieren: mit Kampfpreisen und unglaublich vielen Features.

Dazu kommt ein umfassendes Ökosystem von Haushalt über Smart Home bis zur E-Mobilität, das wir dann aber separat in einem Artikel anschauen werden (den kann man direkt hier unter diesem Link nachlesen). Hier soll es um das Kernstück gehen, die zwei neuen Smartphones.

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Ein Flaggschiff für 800 Franken

Das 12T Pro mit 8 GB Arbeitsspeicher und 256 GB Speicher steht mit gerade mal 799 Franken auf der Preisliste. Es ist ab sofort vorbestellbar und ab dem 13. Oktober in ganz Europa in den Läden.

800 Franken ist natürlich ganz grundsätzlich kein Sparpreis – allerdings kosten Flaggschiffe normalerweise 1000 Franken und mehr. Und wenn man auf die Liste der Features schaut, dann muss man schon sagen: Das 12T Pro kommt da ganz nahe ran.

Das fängt schon beim Prozessor an: Der Snapdragon 8+ Gen 1 ist der neuste auf dem Markt und der beste, den es momentan für Android-Phones gibt. Und da er erst seit Sommer erhältlich ist, müssen einige Konkurrenten von Anfang Jahr noch mit dem Snapdragon 8 ohne «+» auskommen.

Der 6,67 Zoll grosse Bildschirm hat einen 120-Hertz-Amoled-Screen: hochaufgelöst und adaptiv. Zwar kann er die Bildwiederholfrequenz nicht ganz flexibel anpassen, aber immerhin in den Schritten 30, 60, 90 und 120 Hertz – je nachdem, was auf dem Screen angezeigt werden soll.

Der grosse Akku mit 5000 mAh kann mit 120 Watt geladen werden. Das bedeutet, wenn die Batterie leer ist, hat man sie in weniger als 20 Minuten wieder vollgeladen. Xiaomi verspricht übrigens 13,5 Stunden Screen-on-Time. Das wäre eine sehr lange Akkulaufzeit, was wir natürlich im Test erst ausprobieren müssen.

200-Megapixel-Kameras – und einige Abstriche

Das Xiaomi 12T gehört zu den ersten Smartphones auf dem Markt, die einen 200-Megapixel-Sensor für die Hauptkamera nutzen. Zum Vergleich: Apple setzt beim deutlich teureren iPhone 14 auf 12 Megapixel, beim noch teureren 14 Pro auf 48 Megapixel. Und Pixel-König Samsung hat in sein Topmodell S22 Ultra eine Linse mit 108 Megapixeln eingebaut.

Erst im nächsten Jahr wird wohl Samsung ebenfalls 200 Megapixel einbauen. Die Sensoren dazu stellt ja Samsung bereits jetzt schon selber her, auch bei Xiaomi kommt ein 200-Megapixel-Modul von Samsung zum Einsatz.

Was auch klar ist: Megapixel alleine machen noch keine guten Bilder. Und auch ein grosser und guter Sensor braucht eine fein abgestimmte Software, um aus der Datenmenge dann auch wirklich überzeugende Fotos und Videos zusammenzustellen.

Wie gut das Xiaomi gelingt, wissen wir erst nach einem ausführlichen Test. Aber das Megapixel-Monster liefert immerhin so viele Daten, dass die Chance auf gute Bilder erhöht wird. Und man kann auch etwas kaschieren, dass bei einigen anderen Linsen etwas gespart wurde.

So gibts einen 2x-Zoom durch digitales Einzoomen – dank des 200 MP Sensors wird man den optischen Zoom hier kaum vermissen. Die Weitwinkelkamera allerdings löst nur gerade mit 8 Megapixeln auf, da darf man nicht allzu viel erwarten. Gespannt sind wir auf die 20 Megapixel-Selfiecam, die allerdings nicht so lichtstark ist.

Natürlich kann Xiaomi nicht in allen Bereichen Top-Features bieten. Allerdings muss man erstaunlich wenig Abstriche machen. Neben der Weitwinkelkamera fällt auf, dass drahtloses Laden fehlt. Und auch beim WLAN wird «nur» auf WiFi 6 gesetzt und nicht auf das ganz neue WiFI 6e. Allerdings ist da Xiaomi nicht alleine, auch Apple verzichtet beim iPhone 14 noch darauf.

Das normale Xiaomi 12T ist noch günstiger

Wer gar nicht so viele Features braucht, kann sich auch das 12T ohne Pro bestellen. Das startet mit 128 GB Speicher bei 599 Franken, mit 256 GB sind es dann 699 Franken.

Worauf muss man nun verzichten? Statt mit 200 Megapixeln löst die Hauptkamera beim Xiaomi 12T mit «nur» 108 Megapixeln auf. Es kommt also ein günstigerer Sensor zum Einsatz.

Gleiches gilt beim Prozessor: Statt des Snapdragon-Topmodells wird der günstigere Konkurrent Mediatek Dimensity 8100 Ultra eingebaut. Der leistet wohl etwas weniger, ist aber ähnlich sparsam. Das 12T hat den gleichen Akku wie das Pro und soll ebenfalls bis zu 13,5 Stunden mit eingeschaltetem Screen laufen.

Auch sonst sind viele Features identisch: das Schnellladen mit 120 Watt, der 6,67-Zoll-Screen mit 120 Hertz, der Fingerabdruck-Scanner im Display oder auch die restlichen Kamera-Features.

Etwas enttäuschend ist natürlich, dass beide Modelle noch mit Android 12 kommen, obwohl ja Android 13 bereits auf erste Geräte ausgeliefert wurde. Aber da wird man sich bis zum Update noch etwas gedulden müssen.

Helle und detailreiche Insta-ready-Fotos

In der BMW-Welt, wo die Weltpremiere des 12T stattfand, hatten wir die Möglichkeit, das neue Pro-Modell bereits ein wenig auszuprobieren. Der erste Eindruck ist schon mal sehr gut. Ein elegantes, hochwertiges Device, das zwar nicht auffällig ist, aber wie ein Flaggschiff wirkt.

Das 12T Pro ist handlich, hat eine gute, heute fast schon durchschnittliche Grösse. Das Kameragehäuse steht deutlich hervor, so wackelt das Phone deutlich auf dem Tisch. Positiv dagegen ist, dass Xiaomi weiterhin ein durchsichtiges Case und den 120-Watt-Ladecharger beilegt.

Der Screen ist schön hell und gut ablesbar. Die Ränder rundherum sind nicht ganz dünn, aber schön gleichmässig. Im Alltag ist das sicher kein Problem und darum eine sinnvolle «Sparmassnahme». Der Wechsel zwischen Menüs, Fenstern und Apps läuft rasant. Kein Wunder, bei diesem Top-Prozessor. Der Fingerabdruckscanner ist akzeptabel schnell.

Beim ersten Ausprobieren haben auch die Kameras positiv überrascht. Zuerst einmal ist die Weitwinkelkamera mit nur acht Megapixeln besser als erwartet. Die Fotos fallen weder farblich noch bei der Helligkeit ab. Alles wirkt wie aus einem Guss, egal mit welchem Objektiv man abdrückt. Auch bei den Details verliert man nicht so viel, dass es sofort bemerkbar ist.

Und das Fotografieren mit der 200-Megapixel-Linse ist ein Vergnügen. Die Resultate sind schon mit der Automatik ziemlich beeindruckend. Helle, leuchtende Fotos, die alle Details abbilden. Man kann heranzoomen und sieht, dass die Scheiben der BMWs nochmals etwas geputzt werden müssten.

Die Aufnahmen sind so klar und scharf, dass sie perfekt auf Instagram und Co. passen. Trotzdem wirken sie nicht überbearbeitet oder künstlich. Beeindruckend auch die ersten Bilder im Nachtmodus, wo man Details in den dunklen Bereichen des Raums entdeckt, die man von blossem Auge gar nicht sieht.

Dass die Software noch nicht ganz fertig ist, merkt man dann aber auch. Wir konnten allerdings auch keine Updates machen im ersten Hands-on. Nimmt man 4K-Videos auf, sieht man Ruckler. Allerdings zum Glück nicht im Resultat, nur in der Vorschau auf dem Display.

Xiaomi attackiert mit Kampfpreisen

Sowohl das 12T als auch das 12T Pro liefern viel Leistung für einen sehr fairen Preis. Gerade das Pro-Modell für 799 Franken ist ganz nahe bei den deutlich teureren Flaggschiffen der Konkurrenz. Und das bei schnellerem Laden und einer sehr langen Akkulaufzeit. Insgesamt bekommt man also sehr viele Features fürs Geld.

Spannend dürfte auch zu sehen sein, was man mit dem 200-Megapixel-Sensor noch alles anstellen kann. Überall dort, wo grosse Datenmengen von Vorteil sind, könnte Xiaomi punkten. Ob Software und Hardware optimal zusammenspielen, werden wir dann erst im ausführlichen Test sehen.

Übrigens verspricht Xiaomi wie viele andere Android-Hersteller nun auch drei Jahre neue Android-Versionen und vier Jahre Sicherheitsupdates. Das garantiert, dass man das Gerät auch wirklich problemlos ein paar Jahre nutzen kann.