LG Wing: Das verrückteste Handy im grossen Test

Kaum ein Smartphone hat in den letzten Monaten so überrascht wie das LG Wing. Man kann beim Smartphone für 1000 Franken die Flügel ausfahren und hat dann zwei Displays. Ist das mehr als ein Gag?

TextLorenz Keller


Pros

  • Einmaliges Design
  • Zwei Screens zur Verfügung
  • Spannende Kamera-Anwendungen
  • Hochwertige Verarbeitung
  • Gute Akkulaufzeit

Cons

  • Sehr teuer
  • Kein Top-Prozessor
  • Mittelmässige Kameras
  • Ziemlich dick und schwer

Faszinierend ist das LG Wing auf jeden Fall. Ein Smartphone mit Flügeln, mit der Möglichkeit, zwei Screens parallel zu nutzen. Nach langer Anlaufzeit ist das Wing nun auch in der Schweiz erhältlich und mit rund 1000 Franken nicht ganz günstig. Grund genug für uns, das LG Wing genau anzuschauen: Das verrückteste Handy im grossen Test.

Die Display-Flügel ausklappen macht süchtig

Zuerst einmal wirkt das LG Wing gar nicht so besonders. Nimmt man es in die Hand, fällt der grosse, randlose 6,8-Zoll-Screen auf, der kein Loch und keine Aussparung für die Selfiekamera hat. Mit 260 Gramm ist das Smartphone aber deutlich schwerer als vergleichbare Modelle. Und es wirkt auch ziemlich wuchtig.

Das hat einen Grund, denn unter dem Hauptscreen verbirgt sich ein zweiter Bildschirm. Der ist fast quadratisch und 3,9 Zoll gross. Er kommt zum Vorschein, wenn man das grosse Display schräg gegen oben wegdrückt.

Es klappt dann nach oben, sodass man ein Smartphone-«T» in den Händen hält. Der grosse Screen quer oben wie Flügel, unten der kleine Bildschirm.

Das Auf- und Zuklappen macht massiv Spass, ist aber leider mit einer Hand fast nicht machbar. Der Mechanismus wirkt stabil, der Screen rastet schön ein. Ganz allgemein ist die Verarbeitung des LG Wing hervorragend. Und das spassige Klappen erinnert sehr ans Samsung Galaxy Flip.

Die Bildschirme sind anständig hell und gut aufgelöst, aber sie sind nichts Besonderes, man vermisst etwa eine hohe Bildwiederholfrequenz. Vor allem, weil halt das Wing im Preisbereich der Top-Phones mitspielt. Umgekehrt ist das Gerät günstiger als alle Falt-Telefone.

Das bringen die zwei Bildschirme überhaupt

Doch warum sollte man überhaupt zwei Screens haben wollen? Ganz klassisch, damit man zwei Dinge parallel machen kann. Oben quer ein Youtube-Video schauen, unten chatten oder surfen. Dazu gibts einige Games, die darauf optimiert sind. Dass man den zweiten Screen etwa zur Steuerung nutzen kann.

Eine der Hauptanwendungen ist sicher die Kamera. Hier hat LG seine App ziemlich gut auf die zwei Bildschirme angepasst. Der kleine Screen wird zur Bedienung genutzt. Und zwar wird ein Joystick eingeblendet und verschiedene Bedienknöpfe.

Man kann nun das LG Wing wie einen Gimbal nutzen, um Videos zu drehen. Einerseits werden Aufnahmen ganz automatisch weniger verwackelt, weil man das Smartphone im «T»-Modus stabiler halten kann. Und das auch mit nur einer Hand.

Andererseits ist auch die elektronische Stabilisierung sehr gut. Dabei hilft der 64-Megapixel-Sensor, der ja genug Daten liefert, um hier Raum für Korrekturen zuzulassen. Das wird auch genutzt, wenn man Schwenks mit dem Joystick machen will, ohne das Handy zu bewegen. Die Kamera nimmt nun einfach einen Ausschnitt aus dem grossen 64-Megapixel-Bild und verschiebt ihn. Das sieht gut aus und klappt auch gut.

Zuletzt lassen sich auch zwei Videos parallel aufzeichnen: Und zwar mit der 32-Megapixel-Selfiekamera und der Hauptkamera gleichzeitig. Die Videos gegen vorne und hinten kann man separat speichern oder gleich kombinieren. Ziemlich cool – wenn man dafür Einsatzzwecke hat.

Das grösste Hindernis ist die nicht immer überzeugende Videoqualität, wobei vor allem die unterschiedlichen Farbtöne der Clips auffallen, je nachdem, mit welcher Linse man aufnimmt. Übrigens: Für Social Media kann man auch problemlos hochkant filmen.

Ganz generell werden Fotos und Videos gut, aber eben nicht so gut wie bei anderen Smartphones für 1000 Franken. Übrigens: Für Fotos bringt der Gimbal-Modus nichts Spezielles, die schiesst man besser konventionell.

Ausstattung in Ordnung, Akkulaufzeit gut

Sonst hat das LG Wing jene Dinge integriert, die man erwarten kann. Einen guten Fingerabdruck-Scanner und drahtloses Laden etwa. Das Gehäuse ist sogar gegen Spritzwasser geschützt, allerdings nur noch iP54-Zertifizierung. Aber so was kann man bei solchen Spezialgeräten nicht erwarten, wie man ja auch etwa beim Samsung Galaxy Fold gesehen hat.

Der Prozessor ist nur der Qualcomm Snapdragon 765G mit 8 GB Arbeitsspeicher, also nicht mal das Top-Modell aus dem letzten Jahr. 5G ist zudem in der Schweiz nicht verfügbar. Das ist eine Enttäuschung, aber im Alltag kommt man damit trotzdem klar. Die 128 GB Speicher sind erweiterbar, der 4000-mAh-Akku ist nicht besonders gross, hält aber im Alltag locker einen Tag. Auch wenn man ab und zu beide Screens parallel nutzt.

LG Wing: Das verrückteste Handy im Test

Das Smartphone von LG ist aussergewöhnlich und einmalig. Das ist der eine wichtige Grund, um es zu kaufen. So hat man etwas, das sonst fast niemand hat. Der zweite Grund sind die Videofähigkeiten. Mit dem LG Wing schiesst man schnell und unkompliziert schöne Clips. Sowohl aus der Hand wie mit der Gimbal-Elektronik gelingen etwa stabilere Schwenks als mit anderen Handys.

Und schliesslich gibts einen dritten Grund: Nämlich alle, die immer zwei Dinge gleichzeitig machen wollen. Dafür gibts beim Wing dann eben die zwei Screens.

Nutzt man das alles nicht, lohnen sich die 1000 Franken kaum. Denn sonst ist das LG-Phone ziemlich durchschnittlich und ziemlich wuchtig.