Kann das digitale Kopfkissen Schnarchen verhindern?

Wir haben Zerema aus Korea getestet. Das Kissen verstellt sich, wenn man schnarcht. Und da die ganze Nacht aufgezeichnet wird, kann man die Wirkung überprüfen.

TextLorenz Keller

Meist ist Schnarchen ja harmlos. Aber nervig für die Partnerin oder den Partner. Um die lästigen Geräusche in der Nacht loszuwerden, gibts verschiedene Ansätze – aber kein Allerheilmittel. Wir haben Zerema aus Korea getestet. Kann das digitale Kopfkissen Schnarchen verhindern?

Das Kissen hat eine Luftpumpe

Auf den ersten Blick sieht das graue Zerema-Kissen ziemlich unspektakulär aus. Auf der Seite hats einen Powerknopf – und man muss es an den Strom anschliessen. Denn im Innern des Kissens hat es Sensoren, Luftkissen und eine Pumpe.

Und so funktioniert die Pumpe: Sobald man mit dem Kopf aufs Kissen liegt, wird automatisch die Höhe angepasst. Die Grundkonfiguration kann man beim Aufsetzen über die App bestimmen. Hier wird gemessen, wie man liegt, und das Kissen automatisch dieser Position angepasst. Manuell kann man dann noch einstellen, wenn man grundsätzlich das Kissen tiefer oder höher haben möchte.

Verändert man nun im Schlaf oder schon nur beim Einschlafen die Position, dann passt sich das Kissen automatisch dieser an. Das Ziel: Den Nacken anheben und so die Atemwege frei machen und das Schnarchen unterbinden.

Man kennt das ja, wenn man einen Schnarcher leicht berührt, dann verändert er eventuell die Position und hört damit zumindest für eine Zeit lang auf. Doch stört das nicht den Schlaf?

Kabel, Handy und Geräusche

Was man vor der Nutzung wissen muss: Das Kissen ist an den Strom angeschlossen, man muss also das Kabel irgendwie verlegen. Da es links am Kissen eingesteckt wird, ist das vor allem etwas mühsam, wenn man die Steckdose rechts vom Bett hat.

Zudem wird das Kissen mit dem Smartphone verbunden, das in Hörweite am besten auf dem Nachttisch liegen muss. Das Phone zeichnet Geräusche auf, reagiert dementsprechend auch aufs Schnarchen und gibt die Befehle an die Luftpumpe weiter.

Und ja, ist man wach, hört man durchaus, wie die Technik im Inneren funktioniert, schliesslich liegt man ja direkt darauf. Aber keine Angst: In mehreren Wochen Test bin ich kein einziges Mal von diesen Geräuschen oder auch der Kissenbewegung aufgewacht. Störender ist da das kleine blaue Licht an der Seite, das man notfalls abkleben muss, wenn man heikel ist auf Helligkeit.

Die App sagt: Gut geschlafen

Die App hat gleich mehrere Funktionen und ist sehr zentral. Sie dient als Schlaftracker und auch zur «Erfolgskontrolle». Denn hier sieht man direkt, ob das Kissen was bringt.

Denn die App misst nicht nur die üblichen Schlaftracking-Parameter und gibt eine Einschätzung, wie gut man geschlafen hat, sondern sagt auch, wie lange man in einer Nacht geschnarcht hat.

Die Messungen ohne Kissen zeigten: Der Tester schnarcht rund zwei von sieben Stunden. Zwar sagt die App: Gut geschlafen – und man fühlt sich auch so. Aber natürlich stört das nächtliche «Holzsägen» womöglich andere, die im gleichen Raum schlafen möchten.

Wichtig zu wissen: Sollte man sich regelmässig trotz sieben oder acht Stunden Schlaf total kaputt fühlen am Morgen, einen trockenen Mund oder gleich nach dem Aufstehen Kopfweh haben, dann sollte man zuerst abklären, ob nicht eine Apnoe vorliegt. Alles dazu kann man hier in diesem Artikel nachlesen.

Sollte das der Fall sein, müsste ein Arzt entscheiden, ob so ein Kissen etwas bringt. Wenn es aber nur ums Schnarchen an sich geht, das primär andere nicht gut schlafen lässt, dann hat Zerema durchaus eine Wirkung, wie unser Test zeigt.

Statt zwei Stunden nur noch 20 Minuten schnarchen

Unsere Messungen zeigen: Schon nach ein paar Tagen ist die Schnarchdauer deutlich gesenkt. Statt zwei Stunden sind es so im Schnitt noch 20 Minuten. Das könnte wohl weiter gesenkt werden, wenn man als Benutzer primär auf dem Rücken schläft. Dann ist die Lageveränderung und das Anheben mit den Luftpolstern wohl am effektivsten.

Der Tester jedoch schläft primär in Seitenlage. Hier funktioniert es auch, aber wohl mit gewissen Grenzen. Doch die Art und Qualität der Geräusche hat sich schon verändert.
Auch das lässt sich mit der App überprüfen.

Denn in einem speziellen «Snoring Detection Feature» wird jede Schnarchphase in der Nacht auch akustisch aufgenommen. Dazu muss man in der App einen Knopf drücken und das Android-Gerät oder iPhone eingeschaltet auf den Nachttisch legen.

Man kann den Bildschirm gegen unten drehen, damit er im Dunkeln nicht stört. Aber man muss das Telefon natürlich eingesteckt lassen, damit es auch die ganze Nacht Power für die Aufnahmen hat.

Die einzelnen Schnarch-Episoden werden dann mit Zeitangabe und Lautstärke-Wellen abgespeichert. Ohne Zerema-Kissen sind es längere, nach einigen Minuten recht laute Phasen. Mit dem Kissen sind die Schnarch-Attacken nach ein paar Tagen viel kürzer und werden durch die Bewegung unterbunden, bevor sie richtig laut werden.

Wie bequem ist das Kissen?

Beim Design merkt man ein wenig, dass hinter Zerema ein südkoreanisches Start-up steckt, das sich voll auf die Ingenieurskunst abstützt. Es ist halt einfach so ein graues Ding – unauffällig, aber nicht besonders attraktiv.

Den äusseren Bezug kann man abnehmen und waschen. Er besteht zudem aus einem antibakteriellen Material. Innen hats keine Federn, sondern Memory-Schaum, der dann mit den Luftkissen verstellt werden kann.

Aber ganz ehrlich: Das Kissen ist schon ziemlich hart. Wer gerne auf dicken Schichten von Daunen schläft, der wird sich umgewöhnen müssen. Das geht durchaus, aber man hat schon nicht ganz denselben Komfort.

Es kommt zusätzlich wohl auch sehr darauf an, ob man tendenziell auf der Seite schläft oder auf dem Rücken. Für Rückenschläfer ist das digitale Kissen bequemer und auch die Wirkung aufs Schnarchen ist besser.

Ein netter Nebeneffekt ist übrigens der integrierte Wecker. Man spürt leichte Vibrationen im Kissen, was angenehm sanft ist – aber einen garantiert aufweckt. Andere hingegen werden nicht durch lautes Klingeln gestört.

Kann das digitale Kopfkissen Schnarchen verhindern?

Zerema wurde erst Anfang Jahr an der Techmesse CES in Las Vegas vorgestellt. Das südkoreanische Start-up hat aber bereits einen Vertrieb in der Schweiz gefunden. Mit 599 Franken ist das in kleinen Serien hergestellte Kissen aber nicht ganz günstig.

Primär eignet es sich sicher für Schnarcher, die eine «sanfte» Methode ausprobieren wollen, um die Geräusche in der Nacht zumindest zu reduzieren. Dank der App mit präzisem Tracking und der Möglichkeit, sogar Soundfiles aufzunehmen, kann man auch die Wirkung ziemlich gut nachverfolgen.

Laut Hersteller soll das Kissen auch helfen, wenn man nachts nicht gut liegt und jeweils mit Schmerzen im Nacken aufwacht. Hier hilft die automatische Anpassung des Kissens bei der idealen Stützung. Gerade wenn man sich bewegt, passt sich Zerema jeweils der neuen Schlafposition an.

Wirklich austesten konnten wir das nicht, da der Tester vorher bequem lag und sich auch ans neue Kissen gewöhnt hat. Aber eben, es gab punkto Schlafkomfort auch gar nichts zu verbessern.

Das Schnarchen dagegen konnte nach vier oder fünf Tagen bezüglich Dauer und Intensität deutlich reduziert werden. Und das ist ja schon mal eine gute Leistung.