Samsung baut wieder OLED – macht das Sinn?

Lange hatte sich Samsung auf seine QLED-Modelle konzentriert. Nun gibts doch wieder einen OLED-Fernseher. Wir sagen, was der Unterschied ist – und was es sonst Neues im TV-Line-up gibt.

TextLorenz Keller


Seit Jahren setzt Samsung im TV-Bereich voll auf QLED. OLED war bis vor kurzem kein Thema. Das ändert sich dieses Jahr, allerdings mit einer ganz speziellen OLED-Technik. Und auch sonst gibts im Fernsehbereich einige Änderungen beim Marktführer, die man sich genauer anschauen sollte. Aber zuallererst klären wir die Frage: Samsung baut wieder OLED – macht das Sinn?

Darum gibts ein OLED-Comeback bei Samsung

Bei Fernsehern mit «Organic Light Emitting Diode» (OLED) leuchtet jedes Pixel. Diese Technik hat Vorteile bei Kontrast und Schwarzwerten. Trotzdem hat Samsung über Jahre keine OLED-Fernseher mehr hergestellt – im Gegensatz zur Konkurrenz wie LG oder Sony.

Samsung setzte auf QLED. LEDs werden dabei als Hintergrundbeleuchtung genutzt. Das hat Vorteile bei der Farbsättigung und vor allem bei der Helligkeit. Zudem kann man auch zu günstigeren Preisen gute Resultate erzielen.

Nun gibts doch wieder einen Samsung-OLED-Fernseher. Allerdings eben nicht normales OLED, sondern das sogenannte QD OLED – also Quantum DOT OLED. Und ja, Samsung nennt es zwar anders, aber es steckt dieselbe Technik drin wie beim QD-OLED-Gerät von Sony.

Diese Neuheit haben wir hier schon genauer angeschaut. Sony ist zwar schneller mit der Vorstellung und Markteinführung, die grundlegende Technik aber wurde von der Display-Abteilung von Samsung entwickelt. Die beliefert aber nicht nur die eigene TV-Abteilung, sondern auch die Konkurrenz. Und offensichtlich sogar schneller.

Das ist der Vorteil von QD OLED

Bei QD OLED wird nun ein OLED-Panel quasi als Hintergrundbeleuchtung genutzt. Millionen einzelne Dioden strahlen blaues, sehr helles Licht auf eine Schicht mit Quantum Dots – darum auch das QD im Namen.

Diese Quantenpunkte sind ein Nanomaterial, welches das blaue Licht in Rot, Grün und Blau umwandeln kann. Damit kann man nun alle Farben und pures Weiss erzeugen. Wird das Licht abgeschaltet, hat man reines Schwarz. 

Diese Kombination hat einige Vorteile: Bei der Umwandlung über die Quantum Dots geht fast keine Energie verloren. Sprich: Die Panels sind deutlich heller als aktuelle OLED-Geräte. Trotzdem haben sie denselben Schwarzwert und Kontrast, weil man jedes Pixel einzeln ansteuern kann.

Das kann der neue Samsung OLED

Den Nachteil der neuen Technologie sieht man beim Blick aufs Preisschild. So kostet der 55 Zoll OLED 4K S95B 2999 Franken, mit 65-Zoll-Bilddiagonale sind es 3999 Franken. Das sind rund 400 Franken Aufpreis gegenüber ähnlichen Geräten mit QLED-Technik.

Und 55-Zoll-QLED-Modelle der neusten Generation gibts auch bereits schon für weniger als 1900 Franken. Wer im Handel nach Modellen aus dem Vorjahr sucht, findet sogar TVs in 55 Zoll für deutlich unter 1000 Franken.

Gerade bei Tageslicht spielen die QLED-Modelle nach wie vor ihre Stärken aus, während OLED und QD OLED ideal für Kinofans sind, die Serien und Filme primär am Abend oder im abgedunkelten Zimmer schauen.

Der Samsung OLED ist zudem mit allem ausgestattet, was der Hersteller zu bieten hat: dem neusten Prozessor für 4K, der auch eine schlechtere Auflösung möglichst gut skalieren kann, und 20 verschiedene neuronale Netze sorgen dafür, dass die Qualität möglichst optimal ist.

Ein ultradünnes Design ist inklusive, ebenso Lautsprecher mit Dolby Atmos. Sie strahlen neu auch gegen oben Sound ab, um einen noch besseren räumlichen Effekt zu erzielen.

Übrigens kann es sich lohnen, eine Samsung-Soundbar mit Q-Symphony zu kaufen und nicht ein Konkurrenzmodell. Denn so kann man alle Lautsprecher im TV weiter nutzen und muss sie nicht stumm stellen. Sie synchronisieren sich automatisch mit der Soundbar und sorgen für noch besseren Sound.

Ein TV für jeden Geschmack

Zwar schafft der neue QD-OLED-Fernseher 1000 bis 1500 Nits Helligkeit, bei den QLED-Modellen sind es bis zu 4000 Nits. Zudem gibts eine viel breitere Auswahl. Alleine sechs Grundserien für Neo QLED und drei Serien für die günstigeren Fernseher mit normaler QLED-Technik.

Zudem sind die Geräte in ganz unterschiedlichen Grössen erhältlich – von 43 bis 85 Zoll. Und wer will, findet nicht nur 4K-Modelle, sondern auch welche mit 8K-Auflösung.

Die Auswahl ist also riesig, und jeder sollte für sein Budget eine Variante finden. In der Modellgeneration 2022 gibts einige Verbesserungen: So sind etwa viel mehr Graustufen darstellbar, nämlich 16’000 statt 4000.

Auch die schon erwähnten 20 neuronalen Netzwerke beim Upscalen auf 4K sind eine Neuheit, ebenso wie die Dolby-Atmos-Kompatibilität, die teilweise mit neuen Lautsprechern gegen oben unterstützt wird. Atmos kann auch mit der Soundbar genutzt werden, die sogar ohne Kabelverbindung angeschlossen werden kann.

Der Fernseher als Gemälde

Erfolgreich ist Samsung ja auch mit seinen Lifestyle-Fernsehern. Etwa mit «The Frame», den man sich wie ein Bild an die Wand hängt – und der dann auch wirklich mit verschiedenen Rahmen ausgestattet werden kann.

Ebenfalls ein Design-Hingucker ist «The Serif», der dann eher auf den Boden gestellt wird. Beide Modelle gibts in verschiedenen Varianten und in der neusten Generation auch mit mattem Display.

Das verringert einerseits Spiegelungen, etwa durch die Raumbeleuchtung. Was aber noch viel wichtiger ist: Die matte Oberfläche ist für die Funktion genial, die auf diesen TVs am meisten genutzt wird.

Und zwar läuft laut Samsung-Umfragen der «Art Mode» auf «The Frame» im Schnitt sieben Stunden pro Tag. Bei diesem Modus werden Gemälde und Bilder auf dem Fernseher angezeigt. Entweder nur eines oder eine Diashow, das kann man selber konfigurieren.

Bekannte Klassiker aus den wichtigsten Museen der gesamten Welt sind ebenso verfügbar wie moderne Gemälde und Fotografien. Über 1600 Stück, ein Teil gratis, ein Teil in ein Abo integriert.

Das Ziel ist, dass der Fernseher nicht einfach als riesige schwarze Fläche an der Wand stört, wenn er ausgeschaltet ist. Und das ist ja eigentlich während der meisten Zeit des Tages der Fall.

«The Frame» im Kunstmodus dagegen sieht wirklich so aus wie ein Gemälde an der Wand. Täuschend echt – und mit der matten Oberfläche sieht es noch ein bisschen mehr nach Leinwand und Farbe aus. Erst aus der Nähe löst sich die Illusion auf: Das Bild hat dann eben doch keine Textur.

Samsung baut wieder OLED – macht das Sinn?

Beim ersten Hands-On mit den Geräten gefallen die Neuerungen. Der matte Display bei den Lifestyle-TVs ist für den Kunst-Modus ideal und beeindruckend – und hat gleichzeitig nur wenige Nachteile beim bewegten Bild, die verkraftbar sind.

Umgekehrt sind die QLED-Modelle so hell, leuchtend und knallig wie nie zuvor. Da werden zwar von Jahr zu Jahr nur kleinere Fortschritte gemacht, aber das hat auch den Vorteil, dass auch Modelle aus den Vorjahren nicht gleich alt aussehen. Die Entwicklung ist stabil – und das seit Jahren auf höchstem Niveau.

Weniger verständlich ist aus Aussensicht die Zurückhaltung bei QD OLED. Nun hat man endlich eine Lösung gefunden, um einige der Nachteile der Technik abzuschwächen. Ein idealer Fernseher für Kinofans, die primär in dunklen Räumen Filme und Serien schauen – und die bereit sind, etwas mehr auszugeben.

Aber so richtig glaubt man anscheinend bei Samsung nicht an die Lösung, die grösste Neuheit des Jahres steht in Werbung und Kommunikation nur an zweiter Stelle. Die Konkurrenz nimmt das natürlich dankbar auf und ist da deutlich weniger zurückhaltend.

Dabei ist es doch für die Zukunft klar: Es gibt unterschiedliche Techniken, die sich für unterschiedliche Zielgruppen eignen – und die jeweils in einem bestimmten Einsatzgebiet ihre Berechtigung haben. Ein Gamer braucht einen anderen Fernseher als jemand, der sich ein Home-Cinema-System aufbauen will.