Deutsches Handy ist ultraleicht und aus Karbon

Das Carbon 1 MK II wiegt nur 125 Gramm und ist 6,3 Millimeter dünn – dank der Rückseite aus Karbon. Ein faszinierendes Material, doch was taugt das Gadget aus Deutschland als Smartphone?

TextLorenz Keller


Das Carbon 1 MK II hat gleich verschiedene Besonderheiten. Ein deutsches Start-up hat über vier Jahre an dem Konzept gearbeitet. Und es ist das erste Phone, das ein Gehäuse hat aus einem ganz speziellen Material. Das deutsche Handy ist nämlich ultraleicht und aus Karbon.

Eigentlich wurde das Carbon-Handy schon vor einem Jahr angekündigt. Wegen Corona kam es danach zu deutlichen Verzögerungen. Ab sofort startet der Vorverkauf vorerst exklusiv auf Digitec.ch, der Preis liegt bei 799 Franken, nicht superteuer, aber auch nicht günstig. Für den ersten Test vor der Lancierung haben die Journalisten übrigens ein Vorserienmodell erhalten, das noch nicht ganz der finalen Version entspricht.

Dank Karbon ultraleicht und richtig dünn

Das neue Phone aus Deutschland ist wohl das erste Telefon mit einem Gehäuse ganz aus Karbon. Zwei der drei grossen Vorteile des Materials aus Kohlenstofffasern merkt man direkt, wenn man das Smartphone erstmals in den Händen hält. Es ist faszinierend dünn und leicht. Und das trotz 6-Zoll-Screen.

Mit 6,3 Millimetern gehört es zu den dünnsten Handys überhaupt. Und auch beim Gewicht von 125 Gramm kann es die Konkurrenz um mindestens 50 Gramm unterbieten. In den Händen ist das ein tolles, frisches und leichtes Gefühl. Total faszinierend.

Aber natürlich logisch: Karbon wird schon länger im Leichtbau eingesetzt, etwa in der Luft- und Raumfahrt oder auch in der Formel 1. Denn das Material ist nicht nur leicht, sondern auch ultrastabil.

Und damit kommen wir zum dritten grossen Vorteil: Man kann das Carbon 1 MK II nämlich bedenkenlos ohne Hülle nutzen. So kommt man auch wirklich täglich in den Genuss des tollen Materials, das sich auch noch gut anfühlt.

Der Hersteller hat sich übrigens entschieden, auf ein klassisches Karbon-Design zu setzen. Also auf Schwarz mit der typischen Maserung. Auffällig ist das «Carbon»-Logo auf der Rückseite, das auch noch leuchtet, wenn der Bildschirm eingeschaltet ist.

Technik nur aus der Mittelklasse

Die restliche Ausstattung ist dann leider deutlich weniger aussergewöhnlich. Als Prozessor kommt der Mediatek P90 mit 8 GB zum Einsatz, der nicht mehr ganz taufrisch ist. Zum Marktstart wird noch Android 10 ausgeliefert, ein Update auf Android 11 soll aber schnell folgen.

Erfreulich sind die 256 GB Speicher und der helle 6-Zoll-Amoled-Screen mit einer Auflösung von 2160 auf 1080 Pixel. Schade nur, hat der Bildschirm vor allem oben und unten sehr dicke schwarze Ränder. Auch die 3000 mAh grosse Batterie dürfte für einen Tag Laufzeit reichen.

Was fehlt, ist 5G und die Möglichkeit, das Handy drahtlos zu laden. Den Fingerabdruck-Sensor an der Seite konnten wir noch nicht testen, weil er im Vorserienmodell zu tief im Gehäuse liegt und den Finger gar nicht richtig ablesen kann.

Enttäuschend waren im ersten Test die Kameras: Zwei 16-Megapixel-Sensoren als Hauptkameras, dazu ein 20-Megapixel-Frontsensor. Selfies werden zu stark nachkorrigiert. Die Kamera-App ist zudem noch nicht fertig. Es gibt kaum Optionen, der Fokus im Videomodus ist sehr langsam. Hoffentlich bessert das Start-up da noch nach.

Deutsches Handy ist ultraleicht und aus Karbon

Nach dem ersten Ausprobieren ist klar: Das Carbon 1 MK II ist ein faszinierendes Konzept. Und das Material hat gewiss eine Zukunft im Handybau. Leicht, stabil und trotzdem hochwertig.

Das Smartphone aus Deutschland ist aber halt ein erster Wurf. Technisch nur Mittelmass. Und man muss darauf setzen, dass der Hersteller seine Versprechen wirklich einheilt und die Updates schnell liefert.

Spannend ist das Gerät auf jeden Fall und übt auch eine Faszination aus. Aber es hat halt auch Schwächen wie viele Konzepte der ersten Generation. Als Käufer muss man sich das bewusst sein. Wer bereit ist, gewisse Abstriche zu machen und Freude am Karbon hat, der bekommt ein momentan ziemlich einzigartiges Phone.

Ein anderer Hersteller, der mit Rückseiten experimentiert, ist Oppo. Beim Reno 4 gibts etwa eine besondere Glas-Beschichtung, die praktisch keine Fingerabdrücke aufnimmt und auch weniger rutscht. Und das Find X2 Pro gabs mit einer Rückseite aus Kunstleder, die übrigens auch nach einem Jahr im Gebrauch immer noch frisch aussieht.