Das knallharte Fazit zum Hype-Phone des Jahres

Wie gut ist das Nothing-Phone (1) für 480 Franken wirklich? Wir haben das Mittelklasse-Gerät ausführlich getestet. Stark sind Akku, Display und Kamera. Andere Bereiche überzeugen weniger.

TextLorenz Keller

Ausführlich haben wir über das Phone (1) der neuen englischen Smartphone-Marke Nothing berichtet. Es bekam – auch von uns – grosse Vorschusslorbeeren. Aussergewöhnliches Design, cleveres, für manche etwas überbordendes Marketing und viele Features zu einem tiefen Preis. Doch nun muss sich das erste Handy von Nothing im Alltag beweisen: Hier kommt das knallharte Fazit zum Hype-Phone des Jahres.

Das Design ist top – Note 6

Nach wie vor ist das Design jener Bereich, der den Unterschied macht und das Phone (1) aus der Masse hebt. Der Look ist sofort erkennbar, und der Tester wurde auch immer wieder darauf angesprochen.

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Ob man die schwarze oder die weisse Version wählt, ist eine Geschmacksfrage. Weiss ist sicher nochmals deutlich auffälliger und spezieller. Schwarz ist bei vielen Herstellern die Lieblingsfarbe der Käuferinnen und Käufer. Das schwarze Nothing-Phone ist dabei sicher die aufregendste Variante dieser sonst eher langweiligen Farbe.

Klar: Manche Fans hätten sich einen stärkeren Einblick in die Technik durch die transparente Rückseite gewünscht. Aber dieser Mix aus aufgeräumten Design und Steampunk-Attitüde macht einfach Spass. Den Nerds gleichermassen wie dem normalen Nutzer.

Was man erst im Test merkt: Obwohl das Design so dominierend ist, stört es nicht die Alltagstauglichkeit. Das 6,55-Zoll-Gerät liegt gut in der Hand, und der Screen mit symmetrischen Rändern und kleiner Aussparung für die Selfiecam ist ein Hochgenuss. Für Videos oder als Navi im Auto ist das perfekt.

Zum Design gehören auch die schicken Bildschirm-Hintergründe und die Widgets im Nothing-Screen – etwa für Uhr oder Wetter. Hier dürfte es durchaus noch mehr geben.

Glyphen als schicke Spielerei und tolles Licht – Note 4,5

Wenn man ganz ehrlich ist: Die auffälligen LED-Lichter auf der Rückseite sind im Alltag dann doch eher eine Spielerei. Klar, sie gehören zum Design und sind etwas, das man gerne vorführt, wenn jemand sich das Handy genauer anschaut. Und wenn man im Konzert statt Feuerzeuge Displays in die Höhe hält, dann hat man bei weitem das spektakulärste Licht zu bieten.

Aber ob man zu den fast etwas zu schrägen Klingeltönen wirklich noch blinkende LEDs will, das ist Geschmackssache. Beim Laden am Kabel den Akkustand anzeigen, das ist hingegen praktisch.

Am häufigsten zum Einsatz kamen die Lichter auf der Rückseite allerdings als Video- und Fotolicht. Sie sind weniger hell als der Blitz, den es zusätzlich auch noch gibt. Aber: Gerade für Porträtfotos im Dunkeln erzeugen die LEDs eine tolle, harmonische Beleuchtung.

Man würde sich auch wünschen, dass man die Glyphen als Taschenlampe nutzen kann, wenn man einfach etwas Licht braucht und nicht die grelle LED-Taschenlampe. Vielleicht wird das ja per Update noch nachgeliefert.

Luft nach oben bei der Software – Note 4

Die genügende Note täuscht etwas über die grossen Unterschiede hinweg. Ein Teil der Software ist hervorragend, ein anderer noch ungenügend. Ausgezeichnet gefällt, dass der Hersteller nicht viel verändert hat und das Feeling sehr an pures Android erinnert – wie wir das etwa vom Google Pixel 6 her kennen und schätzen.

Das alles wirkt schlank, übersichtlich und läuft normalerweise auch flüssig. Die wenigen Anpassungen im Nothing-Look sind stimmig und geben der Software ein eigenes Gesicht.

Leider läuft trotz bereits zwei Updates noch nicht alles rund. Google Pay macht bei vielen Usern Probleme – auch bei unserem Testgerät. Die Kamera-App reagiert teilweise recht langsam, was sich dank des zweiten Updates immerhin schon etwas verbessert hat. Und auch sonst gibts immer mal wieder Ruckler und vereinzelte App-Abstürze, die nicht auf Mittelklasse-Prozessor zurückzuführen sind.

Die Hoffnung ist, dass Nothing weiter so fleissig an der Software arbeitet wie jetzt und schrittweise die Leistung und die Zuverlässigkeit erhöht. Und der Newcomer ist ja in guter Gesellschaft mit etablierten Brands wie Samsung oder Apple, die auch immer mal wieder mit Updates die Software verbessern müssen, weil sie zum Start noch nicht ideal läuft.

Der Prozessor ist gut genug – Note 4,5

Viel wurde im Vorfeld kritisiert, dass Nothing keinen Top-Chip verbaut hat. Der Snapdragon 778G+ mit 8 GB Arbeitsspeicher reicht aber ehrlich gesagt im Alltag völlig aus. Nur bei den anspruchsvollsten Handy-Games wird man keine Top-Performance erwarten können.

Das Betriebssystem läuft mit den oben erwähnten Einschränkungen flüssig, Apps starten im Normalfall schnell. Im Alltag ist das alles völlig ausreichend, und man wird den schnellen Prozessor nicht vermissen.

Alles drin, was man braucht – Note 5,5

Das Phone (1) ist ja nicht besonders teuer, trotzdem muss man eigentlich auf keine Features verzichten. Ja, sogar drahtloses Laden mit 15 Watt wie in der Oberklasse ist inklusive.

Der Fingerabdruckscanner ist unter dem Screen und schön schnell, auch hier kommt Oberklasse-Feeling auf. Verzichten muss man einzig auf ein wasserdichtes Gehäuse. Das ist nämlich nur wasserfest gemäss IP 53 Rating.

Sprich: Ein paar Regentropfen, etwas Feuchtigkeit oder ein paar Brösmeli machen dem Nothing-Gerät nichts aus. Man sollte es aber nicht für Unterwasseraufnahmen nutzen, unter dem Wasserhahn abspülen oder im Sand vergraben.

Für 450 Franken erhält man übrigens 128 GB Speicher, die aber nicht erweiterbar sind. Für nur 30 Franken Aufpreis kann man den Speicher verdoppeln, was sich sicher lohnt.

Die Lautsprecher sind überraschend laut, haben aber wenig Bass. Insgesamt kann man in einem Smartphone nicht viel mehr erwarten. Übrigens sind beide SIM-Kartenslots 5G-fähig. Ein nettes Extra ist, dass bereits ab Werk ein hochwertiger Screen-Protektor aufgebracht ist. Den sollte man gleich drauf lassen.

Viel Screen fürs Geld – Note 5,5

Der 6,55-Zoll-Screen ist rundum hochwertig. Das OLED-Display liefert 10-Bit-Farben, HDR 10, es ist hochauflösend und hat eine 120-Hertz-Bildwiederholrate. Der Screen ist scharf, zeigt schöne Farben und ist hell genug für den Alltag.

Positiv fällt das angenehme haptische Feedback auf, das einem genau spüren lässt, wohin man tippt. Und der gute Eindruck verstärkt sich durch den regelmässigen Rand rund um den Screen. Der ist überall gleich dick, was in der Smartphone-Welt die Ausnahme ist. Bei den meisten Herstellern ist das Gehäuse unten dicker, also unten am sogenannten «Kinn».

Das ist so, weil es unten Platz braucht, um das Display mit dem Rest des Phones per Mini-Kabel zu verbinden. Will man überall dünne Ränder, muss man einen biegbaren OLED-Screen nutzen und den am Kinn umklappen, um den Anschluss verdeckt zu machen. Das ist aufwendiger und teurer, was normalerweise nur im Premium-Segment gemacht wird, etwa von Apple.


Akku hält lange – Note 5

Die Batterie mit 4500 mAh ist eigentlich nur durchschnittlich gut. Aber der effiziente Chip und auch die schlanke Software sorgen dafür, dass man sehr gut durch den Tag kommt. Gefühlt ist die Laufzeit überdurchschnittlich gut. Vor allem auch im Standby-Betrieb, also wenn man das Phone gar nicht nutzt, geht kaum Akku verloren.

Laden kann man die Batterie mit maximal 33 Watt. Das ist zwar schneller als das iPhone, aber langsamer als viele Android-Konkurrenten. Ein Ladegerät wird in der kleinen Recycling-Verpackung übrigens nicht mitgeliefert.

Obwohl das Nothing also gar nicht so viel Power zieht, wird es beim Laden ziemlich warm. Allerdings merkt man das nur beim Charging über Kabel, drahtlos ist das kein Problem. Auch hier besteht die Hoffnung, dass das per Update noch korrigiert werden kann.

Kamera mit Potential – Note 5

Nothing hat zwei 50-Megapixel-Sensoren eingebaut, dazu eine Selfiecam mit 16 Megapixeln. Mit dem Weitwinkel kann man auch gleich Makroaufnahmen aus vier Zentimetern Abstand machen.

Die Kamera-Hardware ist damit schon mal besser aufgestellt als bei vielen ähnlich teuren Modellen. Das sieht man zum Teil auch in den Aufnahmen. Oft gelingen Bilder wie bei einem teuren Flaggschiff-Modell, dank des grossen Hauptsensors mit einer natürlichen Tiefe. Auch der Nachtmodus ist auf einem sehr guten Niveau.

Aber die Nothing-Kamera löst nicht so schnell aus, wie man das von einem teuren Samsung, Oppo oder iPhone gewohnt ist. Auch die Zuverlässigkeit ist nicht ganz so gut. Es lohnt sich oft, mehrmals abzudrücken, damit man garantiert ein gutes Bild hat.

Auch gibts eine sichtbare Differenz zwischen Hauptsensor und Weitwinkel. Fotografiert man mit 0,6x Zoom, sind die Farben anders und die Schärfe ist weniger ausgeprägt. Immerhin: Dank des neusten Updates wurde das schon verbessert.

Die Kamera-App ist ebenfalls schneller geworden, bietet aber weiterhin eine übersichtliche Menüstruktur. Manche mögen spezielle Filter oder Software-Spielereien vermissen, im Alltag findet man aber einfach schnell und unkompliziert den passenden Modus.

Insgesamt aber bietet die Kamera im Preissegment unter 500 Franken eine sehr gute Leistung. Vor allem auch, weil man sinnvolle Ergänzungen im Bereich Licht bekommt. Die LED-Glyphen sind ausgezeichnet für Porträts in dunkler Umgebung – aber auch bei Makroaufnahmen, wo man so viel Licht braucht wie nötig.

Alles drin zum fairen Preis – Note 5,5

Der grosse Marketing-Hype im Vorfeld liess ja Befürchtungen aufkommen, dass primär auf Design und die speziellen Licht-Features wert gelegt wird. Aber die Newcomer haben es geschafft, für 450 bis 480 Franken ein voll ausgestattetes Phone zu entwickeln.

Man vermisst eigentlich nur ein voll wasserfestes Gehäuse, sonst ist alles drin, was man sich so im Alltag von einem Smartphone wünscht. Wie bei den Ear-1-Kopfhörern letztes Jahr (hier die Review nachlesen) schafft Nothing den Spagat: ein technisch überzeugendes Produkt mit cleverem Marketing, speziellem Design und einem eigenen Look and Feel zu kombinieren.

Das knallharte Fazit zum Hype-Phone des Jahres – Notenschnitt 5,05

Kommen wir zur grossen Abrechnung. Als Durchschnitts-Note erhält das Nothing Phone (1) eine gute 5. Und das nicht etwa im Vergleich nur mit ähnlich teuren Smartphones, sondern mit allen aktuellen Angeboten.

Klar: Insgesamt kann der Newcomer nicht mit einem iPhone 13 Pro, einem Samsung Galaxy S22 Ultra oder dem Oppo Find X5 Pro mithalten. Aber das ist kein Problem, da das Phone (1) auf all jene zielt, die nicht 1000 Franken oder mehr für ein Handy ausgeben können oder wollen, sondern eher die Hälfte des Geldes.

Zugegeben: Im Vorfeld mit all den Marketingtricks hatte manch Fan das Gefühl, dass der Hersteller wirklich Apple frontal angreifen will. Aber das ist dann vielleicht das Ziel in ein paar Jahren, wenn man sich auf dem Markt etabliert hat.

Das Nothing überzeugt im Alltagstest mit dem Bildschirm, der Kameraqualität, der Batterielaufzeit und dem aussergewöhnlichen Design inklusive LED-Lichter. Die Performance geht in Ordnung – und es besteht die Hoffnung, dass per Update noch einige der Schwächen ausgemerzt werden.

Natürlich gibts Alternativen von Xiaomi, OnePlus oder Realme für unter 500 Franken, die noch mehr Power bieten. Aber: Keines ist so einmalig, keines macht so Spass, keines liefert so viel Design und Feeling wie das Nothing.

So wird das schlussendlich entscheidend sein: Wie viele Emotionen das Phone (1) bei einem auslöst. Im Test jedenfalls hat das bestens funktioniert. Ich habe das Gerät jeden Tag gerne genutzt und einfach Freude daran. Da sieht man gerne auch über die kleinen Schwächen hinweg.