Die Hype-Kopfhörer Nothing Ear 1 im ehrlichen Test

Die Nothing Ear 1 kosten nur rund 100 Franken, aber sind sie wirklich so unglaublich neu und innovativ, wie die Werbekampagne behauptet? Hype oder Flop – wir haben es ausprobiert.

TextLorenz Keller


Pros

  • Günstiger Preis
  • Schickes Design
  • Gute Soundqualität
  • Anständige Geräuschunterdrückung

Cons

  • Kann nichts, was nicht andere auch können
  • ANC rauscht etwas

Kaum ein Gadget wurde in den letzten Monaten von den Fans so sehr erwartet wie das erste Produkt des neuen Technik-Brands Nothing. Die Firma aus London wurde erst im Oktober 2020 gegründet – vom ehemaligen Oneplus-Chef Carl Pei. Und er hat es geschafft, einen richtigen Hype darum zu schaffen. Umso wichtiger, die Hype-Kopfhörer Nothing Ear 1 einem ehrlichen Test zu unterwerfen.

Nothing ist auch wegen prominenter Investoren sofort in den Fokus der Öffentlichkeit geraten. So hat Google Geld gegeben, aber auch die Gründer von Reddit und Twitch sowie der Youtube-Star Casey Neistat.

Der Hype ist zum Glück kein Fake

Wichtigste Erkenntnis nach dem ausführlichen Test. Die Ear 1 sind keine Enttäuschung, sondern gute Kopfhörer für einen fairen Preis. Aber ob sie auch einen solchen Hype rechtfertigen, das ist wieder eine andere Frage.

Kommen wir zuerst einmal zu den trockenen «Facts» – auch wenn das natürlich immer etwas schwierig ist. Denn es gibt wohl kaum etwas Individuelleres als In-Ear-Kopfhörer. Jedes Ohr ist anders, das beeinflusst den Komfort und das Hörerlebnis.

109 Franken kosten die Ear 1 von Nothing. Sie sind damit sogar 20 Franken günstiger als die normalen Airpods – bieten aber zusätzliche Funktionen wie eine aktive Geräuschunterdrückung.
Die meisten Konkurrenzmodelle mit ähnlichem Funktionsumfang kosten mehr. Die Airpods Pro etwa doppelt so viel, die kürzlich getesteten (und sehr gelobten) Sony WF-1000XM4 sogar fast drei Mal so viel.

Die Ear 1 tönen aber überhaupt nicht billig. Der Klang ist klar und bringt auch Bässe schön rüber. Auch die Geräuschunterdrückung funktioniert problemlos. Man kann sie einschalten, ausschalten oder dann sogar die Umgebungsgeräusche verstärken.

So gut ist kaum ein Kopfhörer für 100 Franken

Zu den oben erwähnten Sony gibts dann aber durchaus Qualitätsunterschiede. So rauscht bei den viel teureren Modellen das Noise Cancelling deutlich weniger – was aber nur bemerkbar ist, wenn man die Kopfhörer nutzt, um sich eine Oase der Ruhe ohne Geräusche oder Musik zu schaffen.

Und die Sony tönen auch etwas feiner, die Bässe sind kräftiger, und vor allem kann man den Sound individueller einstellen. Schade, bietet da die schicke App von Nothing nur vier Einstellungsmöglichkeiten.

Auch sonst ist die App wohl die grösste Enttäuschung. Sie ist zwar wie der ganze Auftritt der Marke auffällig designt, bietet dann aber kaum Funktionalität. Zudem gabs bei der Verbindung mit dem iPhone Probleme. Die Kopfhörer mussten schliesslich separat per Bluetooth gekoppelt werden, über die App lief das nicht. Das gehört auch zu einem ehrlichen Test des Hype-Kopfhörers Nothing Ear 1.

Trotzdem: Für etwas über 100 Franken gibts nichts Besseres auf dem Markt. Klang, ANC und auch das Design überzeugen. Zudem bietet Nothing alle Features: So sind die Hörer wasserfest, und das Case kann drahtlos geladen werden. Und man kann damit die Kopfhörer gleich fünf bis sechs Mal laden ohne Stopp an einer Steckdose.

Das ist mehr als bei den meisten anderen Modellen. Aber effektiv hören kann man dann rund fünf Stunden, bevor die In-Ear-Knöpfe im Case geladen werden müssen. Da ist Nothing nicht besser, aber auch nicht schlechter als die Konkurrenz.

Das Design reicht nicht für einen Hype

Was bleibt an Besonderheit? Da ist sicher das Styling der gesamten Marke: minimalistisch, aber trotzdem sehr auffällig. Und auch die Kopfhörer selbst sehen aussergewöhnlich aus. Sie sind teilweise transparent und gewähren einen Blick ins Innere. Zudem sind sie mit nur 4,7 Gramm leicht – das passt zur luftigen Optik.

Auch beim Case sind einige Teile durchsichtig. Und eine Einbuchtung am Deckel lädt dazu ein, das Ladecase wie einen Fidget-Spinner herumzudrehen. Praktisch ist das übrigens durchaus auch, weil man so alles gut halten kann. Ja, es sieht alles gut aus und fühlt sich gut an.

Allerdings hat es auch Nachteile, unbedingt «speziell» sein zu wollen. So ist das Case grösser und schwerer als bei vielen Konkurrenzmodellen. Und die schicke, leicht schräge Halterung klickt zwar die In-Ear-Hörer magnetisch schön ein, allerdings nur, wenn man sie auch wirklich in die richtige Position gebracht hat. Das geht bei der Konkurrenz auch einfacher und intuitiver.

Die Hype-Kopfhörer Nothing Ear 1 im ehrlichen Test

Hat man bei der Keynote den Gründern zugehört, dann ist man fast ein wenig enttäuscht. Ganz neu gedacht und revolutionär anders seien die Ear 1 – die Hörer von der Konkurrenz alle gleich und langweilig.

Das erste Produkt von Nothing kann sich dann aber höchstens beim Design von der Konkurrenz abheben. Und es ist ja schon so, dass viele Kopfhörer sehr den Airpods ähneln, aber längst nicht alle. Die Buds Live von Samsung etwa sind mit ihrem Bohnendesign sogar noch spezieller als die Ear 1.

Umgekehrt hat der Hype Erfolg: Alle sprechen über die neue Marke. Und durchaus zu Recht darf man von Nothing einiges erwarten. Keine Revolutionen, aber tolle Produkte zu guten Preisen – die vielleicht beim Design sogar ein gewisses Extra haben.

Die Ear 1 jedenfalls sind für 109 Franken ein fast unschlagbarer Deal. Die Qualität von Sound und Verarbeitung stimmt. Dazu gibts viele Features und ein gefälliges, spannendes Design.