Huawei will das Homeoffice erobern

So offen hat es Huawei noch nie kommuniziert: Office-Produkte sollen zum wichtigsten Standbein in Europa werden. Die neuen Gadgets zeigen, wie das gelingen soll. Nämlich mit viel Qualität für wenig Geld.

TextLorenz Keller


William Tian, President of Western Europe Consumer Business bei Huawei, sagt es in einem Roundtable sehr deutlich. Office-Produkte sollen für den chinesischen Hersteller zu einem wichtigen Standbein bei uns werden. Mit den neuen Gadgets will Huawei das Homeoffice erobern. 

Im Heimmarkt hat man das schon. Huawei ist bei den Laptops die Nummer 2 in China, im Premium-Bereich gar die Nummer 1. In Europa hat man es mit den etablierten Brands wie Dell, HP, Asus, Lenovo oder Acer zu tun – und auch mit Apple. Aber es ist durchaus ersichtlich, wie sich Huawei abheben will.

Man muss auch sagen, dass der chinesische Hersteller im Gegensatz zu den Smartphones auch keine Probleme mit den US-Sanktionen hat. Die Notebooks kommen mit amerikanischen Intel-Prozessoren und haben Windows 11 von Microsoft installiert – ebenfalls eine US-Firma.

Doch schauen wir uns die Neuheiten zuerst einmal im Detail an. Und müssen gleich mit einer schlechten Nachricht starten.

Das Top-Modell kommt noch nicht jetzt

Das vorgestellte Topmodell der MateBook-Reihe wird vorerst in der Schweiz nicht angeboten. Vielleicht kommt es später, vielleicht gar nie. Huawei will sich da nicht in die Karten schauen lassen. Das ist sehr schade.

Denn das MateBook 16s ist nicht nur das Flaggschiff, es bietet auch das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Rund 1700 Franken kostet es und bietet enorm viel Technik fürs Geld.

Da ist einmal der 16-Zoll-Bildschirm, der mit 2520 auf 1680 Pixel hoch auflöst, einen modernen dünnen Rand hat und auf praktische Features fürs Homeoffice setzt. So kommt er im 3:2-Format daher, das deutlich höher ist als viele Konkurrenten. Man sieht also mehr von Dokumenten – nur beim Filmegucken hat man Nachteile.

Toll ist auch der Touchscreen, denn viele Funktionen von Windows 11 lassen sich so ganz einfach und schnell bedienen. Der Monitor steckt in einem eleganten Aluminium-Gehäuse. Überzeugend ist auch die Tastatur, die eine angenehme Tiefe hat und sich für stundenlanges Dauertippen eignet.

Mit unter zwei Kilogramm ist das MateBook 16s relativ leicht, der Akku mit 84 Wh sollte recht lange durchhalten. Es gibt nur zwei Varianten zur Auswahl: In der Basis gibts einen Intel-i7-Prozessor, für 200 Franken Aufpreis den i9. Inklusive sind 16 GB RAM und 1TB schnelle SSD.

Einfach so zum Vergleich, schon allein weil sich Huawei optisch und bei der Verarbeitungsqualität durchaus daran orientiert hat, ein MacBook Pro mit 16 Zoll kostet mindestens 1000 Franken mehr.

Grosser Laptop-Screen für Einsteiger

Warum ausgerechnet die kaufkräftige Schweiz das Flaggschiff nicht bekommt, bleibt dahingestellt. Importe lohnen sich leider nur, wenn man nicht unbedingt das Schweizer Tastaturlayout aufgedruckt braucht.

Aber es gibt ja noch eine Alternative, nämlich das Huawei MateBook D 16. Es ist ab Juli für 999 Franken mit i5 Prozessor zu haben. Mit i7 kostet es 1299 Franken. Und wo muss man Abstriche machen? Sicher beim Screen, der keine Touchfunktion hat und etwas weniger Qualität bietet als beim Flaggschiff.

Das 16:10-Format ist ein Kompromiss zwischen Multimedia- und Office-Anforderungen. Und der Bildschirm ist halt mit 16 Zoll auch richtig schön gross. Das MateBook D 16 ist trotzdem nur 1,7 Kilogramm schwer und sehr kompakt gebaut.

Bei Tastatur und Gehäusequalität muss man keine Abstriche machen, das ist alles hochklassig. Zwei USB-A, zwei USB-C und ein HDMI-Anschluss sorgen für eine gute Verbindung mit Peripherie-Geräten. Allerdings wird ein USB-C-Anschluss durch den Charger belegt.

Mit 60 Wh ist die Batterie nicht wahnsinnig riesig. Da wird man ein paar Stunden ohne Kabel arbeiten können – aber sicher kein langer Arbeitstag. Gut gefallen hat sie 1080p-Webcam für Videocalls, die mit Gesichtstracking automatisch dem Sprecher zur Seite folgen kann, wenn man sich bewegt.

Auch das Huawei MateBook D 16 bietet ein gutes Verhältnis von Preis und Leistung. Allerdings ist der Konkurrenz bei Preisen um 1000 Franken ziemlich gross.

Massenprodukt mit Extraqualität

Bereits hat Huawei ja hochwertige Monitore im Angebot. Nun gibts auch ein Massenmodell für 169 bis 189 Franken, das ab August erhältlich ist. Mit dem 23,8-Zoll-Screen hat der MateView SE eine gängige Bürogrösse. Meist stehen in den Offices gleich zwei dieser Geräte.

Dank des günstigen Preises sind die Monitore aber eben auch sehr beliebt im Homeoffice. Preislich und von der Ausstattung her liegt der MateView SE im Durchschnitt. Die FullHD-Auflösung von 1920 auf 1080 Pixel ist genauso Standard wie der Anschluss via HDMI oder Display-Port. Wer auf USB-C setzt, muss mehr Geld ausgeben.

Huawei bewirbt den P3-Farbraum, der eine besonders «echte» Wiedergabe auf dem Screen ermöglicht. Und den eBook-Modus, sodass man, ohne die Augen anzustrengen, längere Texte lesen kann.

Der Screen hebt sich aber auch von der Konkurrenz ab durch sehr dünne Ränder und eine hochwertige Optik. Und: Er ist in der teureren Version nicht nur höhenverstellbar, sondern auch ganz einfach drehbar.

Einziger kleiner Schönheitsfehler: Man muss von Hand die Ausrichtung der Inhalte auf dem Monitor umschalten und hat hochkant gedreht links einen dickeren Rand als rechts.

Huawei will das Homeoffice erobern

Tablets, PCs, Laptops, Monitore – ja, Huawei hat sogar eigene Tastaturen, eine Maus und einen Drucker im Angebot. Alles bereit fürs Homeoffice. Und natürlich hofft der chinesische Hersteller auch auf Businesskunden, die das ganze Büro mit der Hardware ausstatten.

Diese ist – wie man das von Huawei gewohnt ist – hochwertig und bietet jeweils viel Leistung für den Preis. Viele Gadgets haben durchaus auch spannende Software-Features, etwa eine Gesichtsverfolgung bei den Webcams der MateBooks. Andere Features wie das Übertragen von Dokumenten funktionieren nur zwischen Huawei-Geräten.