Super-Phone überzeugt dank Schweizer Handylinse

Das Xiaomi Mi Mix Fold hat eine Makrolinse aus der Schweiz. Und die Technik von Nextlens aus Dietikon ZH verhilft zu aussergewöhnlichen Fotos, wie unser Test zeigt.

TextLorenz Keller


Das ist ziemlich einmalig. Eine Schweizer Erfindung schafft es in das Flaggschiff eines der grössten Smartphone-Hersteller der Welt. Und das Hochpräzisionsbauteil, nämlich die Makrolinse, wird erst noch hier bei uns gefertigt. Wir haben uns daher das Xiaomi Mi Mix Fold genauer angeschaut – mit Fokus auf die Fotoqualität. Und das Super-Phone überzeugt dank Schweizer Handylinse.

Dank Schweizer Erfindung aus der Masse herausragen

Das Mi Mix Fold ist das beste und teuerste Smartphone von Xiaomi. Das Falt-Phone erinnert in vielem an das Samsung Galaxy Z Fold 2. Den Test dazu kann man hier nachlesen. So revolutionär das Falt-Konzept ist, das Mi Mix Fold ist nicht das einzige und nicht das erste Smartphone dieser Art.

Auch bei der restlichen Ausstattung bietet der chinesische Hersteller alles, was man sich wünscht. Aber das ist auch bei anderen Top-Modellen so. Sogar die Hauptkamera mit beeindruckenden 108 Megapixeln gibts bereits. Xiaomi selber, aber auch Samsung haben diesen Sensor bereits mehrfach in Geräten eingebaut.

Doch es gibt einen Unterschied zu allen anderen Smartphones auf dieser Welt. Das Xiaomi Mi Mix Fold hat etwas, das es vorher so noch nie gab. Und das ist eine Schweizer Erfindung und eine Schweizer Produktion.

Und zwar geht es um die dritte von drei Kameras. Sie sieht von aussen ganz normal aus, ist aber eine Flüssiglinse. Sprich: Statt einer Optik aus Glas besteht die Linse aus einer Flüssigkeit und Membranen. Der Aufbau ist ähnlich wie bei einem Auge, also auch mit einer leichten Wölbung. Und zum Scharfstellen kann diese Wölbung sehr schnell verändert werden.

Der grosse Vorteil der Linse des Schweizer Herstellers Nextlens ist, dass sie viel weniger Bautiefe braucht, was bei Smartphones entscheidend ist. Während in der konventionellen Bauart das Objektiv vor dem Sensor verschoben wird, um scharf zu stellen, brauchts das bei der Flüssiglinse nicht. Hier wird nur die Wölbung der Linse angepasst.

Das Super-Makro aus der Schweiz ist wirklich super

Die Kamera wird im Mi Mix Fold für Makro-Aufnahmen genutzt. Man kann bis zu drei Zentimeter an ein Sujet heran. Anders als beim Oppo Find X3 Pro geht es nicht um eine mikroskopische Vergrösserung, sondern um Detailaufnahmen oder Fotos von kleinen Gegenständen.

Das funktioniert ganz einfach und erstaunlich zuverlässig. Man schaltet über das «Blumensymbol» den Makro-Modus ein und geht dann richtig dicht an etwas heran. Pflanzen, Insekten oder schöne Blumen sind natürlich prädestiniert dafür.

Beeindruckend ist, wie schnell der Fokus alles scharf gestellt hat und wie präzis dieser arbeitet. Man kann also eine kleine Blume ähnlich komfortabel fotografieren wie zum Beispiel einen Menschen. Der grosse 8-Zoll-Screen des Mi Mix Fold hilft bei der Bildkomposition, weil man halt immer genau sieht, ob wirklich alles scharf ist.

Anders als bei Makroaufnahmen mit anderen Handys, wo entweder der Zoom oder die Weitwinkelkamera genutzt wird, gibts beim Xiaomi keine Verzerrungen und auch nicht nur eine dünne Ebene, auf der alles scharf ist. Sondern man erhält fast schon automatisch ein tolles Foto mit schöner Tiefenschärfe.

Die grösste Schwierigkeit dabei sind draussen in der Natur Bewegungen. So ein kleiner Luftstoss lässt die Blumen ganz schnell aus dem Bild tanzen. Und auch Insekten wollen nicht immer wirklich stillhalten. Aber da Fokus und Auslösung so schnell sind, brauchts nur einen kleinen Moment, um ein gelungenes Bild zu erhalten.

Übrigens: Das Super-Makro funktioniert nicht nur im Fotomodus, sondern auch im Video. Dazu muss man allerdings in die erweiterten Einstellungen. Und man kann dann auch nur in Full-HD-Auflösung Clips drehen. Aber auch hier gelingen Aufnahmen, wie man sie vorher noch nie mit einem Smartphone gesehen hat. Das Super-Phone überzeugt insgesamt auch dank Schweizer Handylinse.

Die Flüssiglinse als Hoffnungsträger für die Zukunft

Die Schweizer Firma Nextlens, welche die Linse entwickelt und baut, ist ein Schwesterunternehmen von Optotune. Das Spin-off der ETH Zürich arbeitet schon seit über zehn Jahren am Konzept der Linse mit Membran und Flüssigkeit.

Genutzt wird sie überall dort, wo ein schneller, präziser Fokus gefragt ist. Etwa in der Industrie für Barcode-Scanner, optische Qualitätskontrolle, Messungen oder auch bei der Überwachung und Steuerung von Lasern.

Mit Nextlens soll nun die Technik auch in Smartphones genutzt werden. Und die Schweizer haben es direkt in das Prestige-Gadget von Xiaomi geschafft, das momentan in China extrem gut läuft. In der ersten Minute des Online-Verkaufs wurden bereits weit über 30’000 Stück abgesetzt und damit über 60 Millionen Franken eingenommen.

Die neue Technik wird also gleich in einem Massenmodell eingesetzt. Und trotzdem wird die Flüssiglinse in der Schweiz als Komponente hergestellt – und das soll auch in Zukunft so gehandhabt werden.

Für Nextlens ist das erst der Anfang. Die Vorteile der Flüssiglinse, nämlich die kompakte Bauweise und dass das Objektiv nicht mehr bewegt werden muss, sollen auch in weiteren Smartphones zum Tragen kommen. Nicht nur in Makro-Kameras, sondern grundsätzlich überall, wo schnell und platzsparend fokussiert werden soll. Dabei ist die neue Technik genauso robust und dauerhaft wie eine konventionelle Linse.

Zudem tüfteln die Schweizer Ingenieure bereits an weiteren Innovationen. Mit der Technologie kann zum Beispiel auch eine bessere und schnellere Bildstabilisation (OIS) sowie ein echtes optisches Zoom hergestellt werden.

Bei uns gibts das Mi Mix Fold nur als Importgerät

Schade für die Schweizer Kunden ist, dass Xiaomi das Gerät bislang für Europa offiziell nicht angekündigt hat. Kaufen kann man es trotzdem, via Importhändler. Beim Cect-Shop etwa kostet das Mi Mix Fold in der Version mit 256 GB Speicher 1299 Euro, dazu kommen 10 Euro Versand plus die Zollkosten.

Zu diesem Preis gibts den neusten und besten 5G-Prozessor von Snapdragon, den 888 mit 12 bis 16 GB RAM. Innen hat man einen 8-Zoll-Oled-Bildschirm, der sich zusammenklappen lässt. Aussen setzt Xiaomi auf einen flächigen 6,5-Zoll-Amoled-Screen.

Der 5020 mAh grosse Akku lässt sich mit 67 Watt laden. So schnell liess sich bislang kein Klapp-Phone mit Strom versorgen. Erwähnenswert sind die Lautsprecher von Harman Kardon, die für ein Smartphone aussergewöhnlich gut klingen.

Beim Falt-Screen hat man dieselben Vor- und Nachteile wie bei der Konkurrenz. Toll ist natürlich, dass man einen so grossen Screen zur Verfügung hat. Nicht nur beim Fotografieren ist das toll, sondern auch für Videos oder Webseiten. Und trotzdem lässt sich das Mini-Tablet zusammenklappen und einigermassen bequem in der Hose oder Tasche mittragen.

Wie bei anderen Falt-Bildschirmen auch sieht und fühlt man den Knick in der Mitte ein wenig. Auch fühlt sich der Screen etwas mehr nach «Plastik» an als nach Glas. Aber: Xiaomi hat die Scharniere besser abgedeckt und abgedichtet als bei anderen Modellen.

Wichtig zu wissen: Die als Import erhältlichen Geräte lassen sich zwar auch gleich auf Englisch nutzen, man muss also keine Angst vor chinesischen Schriftzeichen haben. Aber: Es sind viele Apps vorinstalliert, die es bei uns nicht braucht. Dafür fehlt der Google Playstore, den man sich etwa mit einem Google Installer herunterladen kann.

Super-Phone überzeugt dank Schweizer Handylinse

Insgesamt überzeugt die neue Flüssiglinsen-Technik schon in ihrem ersten Einsatz in einem Smartphone. Es gelingen damit Makroaufnahmen, wie man sie von einem mobilen Gerät bislang noch nicht gesehen hat.

Und Makro ist nicht einfach irgendein Feature, sondern wird von vielen Nutzern gern gebraucht. Um Blumen zu fotografieren etwa – aber auch Essen.

Man darf auf jeden Fall gespannt sein, wie der Weg des Schweizer Herstellers weiter verläuft. Und wo die Flüssiglinse in den nächsten Monaten und Jahren noch zum Einsatz kommt.