Mit diesem Knaller wird Oppo Samsung und Apple gefährlich

Im grossen Test überzeugt das Oppo Find X3 Pro rundum – fast alle Details sind perfekt. Das neue Top-Smartphone setzt die Messlatte für 2021 ziemlich hoch.

TextLorenz Keller


Pros

  • Tolles Kamerasystem mit herausragendem Weitwinkel
  • Alle Topfeatures in einem Gerät
  • Fairer Preis mit vielen Extras
  • Ultraschnelles Laden, auch drahtlos
  • Hervorragender Screen

Cons

  • Mittelmässige Akkulaufzeit
  • Enttäuschende Videostabilisierung der Selfie-Cam

Schon letztes Jahr konnte Oppo mit dem Find X2 Pro überzeugen. Nun hat der chinesische Hersteller nachgelegt (Liveticker kann man hier nachlesen). Bei uns ist die Marke noch ein Neuling, in China inzwischen schon die Nummer 1 im Smartphone-Bereich. Mit diesem Knaller wird Oppo nun auch Samsung und Apple gefährlich.

Denn bisher war klar: Der Premium-Sektor mit Smartphones über 1000 Franken war von den zwei bei uns grössten Herstellern besetzt. Huawei versuchte, da ebenfalls Fuss zu fassen, wurde dann aber von den US-Sanktionen ausgebremst. Nun heisst der Verfolger Oppo. Unser ausführliche Test zeigt: Mit dem neuen Find X3 Pro hat der Hersteller die Konkurrenz locker eingeholt – und in einigen Bereichen gar überholt.

Das Find X3 Pro bietet alles, was Pro-Kunden erwarten

Liest man die Features durch, wird schnell klar: Oppo hat nichts eingespart. Es ist alles eingebaut, was man von einem Gerät der obersten Preisklasse erwartet. Der neuste Snapdragon-888-Prozessor mit satten 12 GB Arbeitsspeicher und 256 GB Speicher. Das ist so viel, dass es nicht so eine Rolle spielt, dass dieser nicht erweiterbar ist.

Das Find X3 Pro ist wasserfest, hat 5G, WLAN 6 und den momentan wohl schnellsten Fingerabdruck-Scanner unter dem Display. Ideal als Ergänzung zur Gesichtserkennung, die ja etwa mit einer Maske nicht funktioniert.

Viele Anforderungen werden gar übererfüllt: So hat Oppo nicht einfach nur Schnell-Ladung integriert, sondern bietet Super-Charge gleich bis 65 Watt an. Der Akku ist so gleich in 38 Minuten geladen.

Und ja, der Hersteller hat auch die grösste Schwäche des Vorgängers ausgemerzt. Das Find X3 Pro kann nun die Batterie auch drahtlos laden. Auf einem kompatiblen Charger mit bis zu 30 Watt – das ist doppelt so viel wie etwa beim aktuellen iPhone. Auch hier gibt sich Oppo also nicht mit dem Minimum zufrieden.

Der 4500 mAH grosse Akku hält locker einen Tag, liegt aber sonst nur im Mittelfeld. Bei einem Vergleich hatten das Samsung Galaxy S21 Ultra und das iPhone 12 Pro Max nach fünf Stunden Youtube-Streaming noch mehr Restakku. Alle Geräte hätten aber locker 10 bis 12 Stunden durchgehalten. Immerhin: Das Oppo wirkt deutlich schlanker und ist leichter als die zwei Konkurrenten. 

Aussergewöhnlich: Display und Zubehör

Schon beim Öffnen der Box überrascht Oppo positiv. Während man bei Samsung und Apple neben dem Gerät selber nur noch ein Ladekabel findet, gibts bei Oppo weiterhin einen Charger. Und nicht irgendeinen, sondern eben den 65-Watt-Charger, mit dem man das Find X3 Pro so schnell geladen hat.

Auch Kopfhörer legt der chinesische Hersteller bei uns weiterhin dazu. Und noch wichtiger: ein Case. Nicht irgendein Billig-Teil aus durchsichtigem Plastik, sondern ein hochwertiges Silikon-Schutz, der schön dünn ist und perfekt passt. Sogar farblich: Das dunkel spiegelnde Gerät hat ein schwarzes Case mit dabei, das matt-blaue ein blaues.

Der 6,7-Zoll-Amoled-Screen ist hell und hat mit 3216 auf 1440 Pixel eine hohe Auflösung. Toll auch die flexible Bildwiederholrate von bis zu 120 Hertz. Ein schöner Screen, leicht über die Ecken abgerundet. Das alles bietet aber etwa Samsung auch.

Oppos Bildschirm aber kann eine Farbtiefe von 10 Bit anzeigen, also über eine Milliarde Farbe. Wenn man entsprechenden Content irgendwo findet. Oder man zeichnet ihn selber auf, denn auch die Kamera kann mit 10 Bit aufnehmen, wenn man das einstellt. Allerdings ist das wohl nur etwas für Profis und Fans, die dann die Bilder auch entsprechend weiterverarbeiten.

Neuer Sony-Sensor und überraschendes Mikroskop

Gleich vier Sensoren hat Oppo ins neue Flaggschiff eingebaut. Aussergewöhnlich ist, dass Hauptkamera und Weitwinkel genau denselben Sensor haben. Nämlich ein ganz neues 50-Megapixel-Modul von Sony. Und das liefert erstklassige Arbeit ab. Mit dieser Knaller-Kamera wird Oppo Samsung und Apple gefährlich.

Detailreiche, scharfe Bilder, die auch bei schwierigem Licht gut werden. Das Find X3 Pro bewegt sich hier auf ähnlichem Niveau wie die Konkurrenz von Samsung und Apple.

Der grosse Vorteil des Neulings: Mit dem Weitwinkel gelingen ähnlich gute Bilder – und da haben die anderen Phones das Nachsehen. Je schwieriger die Verhältnisse, desto stärker kommt das zum Tragen. Im Weitwinkel-Nachtmodus oder gar bei Videos in der Dämmerung mit dem Weitwinkel ist das Find X3 Pro unschlagbar.

Anders beim Zoom: Beim Vorgänger (hier der Vergleich der letztjährigen Modelle) gab es noch eine Periskop-Linse, nun nur noch ein «normales» Zoom mit fünffachem Hybrid-Zoom. Bis rund 10x kann Oppo da gut mithalten, gegen die bis zu 100fache-Vergrösserung eines Galaxy S21 Ultra hat es aber keine Chance (hier der Test).

Aber: Insgesamt bewegt sich das Oppo auf höchstem Niveau und gehört zu den besten Kamerahandys, die momentan erhältlich sind. Verbesserungspotenzial gibts einzig bei der Videostabilisierung der Selfiecam.

Und dann gibts ja noch das «one more thing» von Oppo: Die vierte Linse ist nämlich ein Mikroskop, das bis 60fach vergrössern kann. Man muss dafür das Oppo aufs Objekt fast ganz drauflegen, ein cleverer LED-Ring um die Linse sorgt für genug Licht. So sieht man plötzlich alle Details eines Zuckerkristalls. Oder erkennt die genaue Struktur von Textilien. Faszinierend und eine beeindruckende Spielerei, die mit etwas Übung auch richtig gut funktioniert.

Der Preis ist heisser als das Design

Oppo setzt beim Find X3 Pro auf Understatement. Das Phone ist nicht besonders auffällig. Das matte Blau unseres Testgeräts gefällt sehr gut und nimmt fast keine Fingerabdrücke auf.

Das Design ist aber ziemlich unauffällig. Dass der wie ein sanfter Hügel angehobene Kamerabuckel komplizierte Fertigungsverfahren erforderte, kann man nur erahnen, wenn man genau hinschaut. Der Vorteil: Der klassische Look dürfte auch in zwei Jahren noch nicht «alt» aussehen.

1199 Franken kostet das Find X3 Pro. Das ist natürlich nicht wenig, aber im Verhältnis zum Gebotenen sehr fair. Das Galaxy S21 Ultra ist mit 256 GB 100 Franken teurer, das iPhone 12 Pro 50 Franken, das Pro Max gar 150 Franken.

Die Differenz wird nochmals grösser, wenn man noch Zubehör braucht. Bei Apple etwa kosten Kopfhörer 25 Franken, 61 Watt Charger 79 Franken und das Silikon-Case 55 Franken.

Mit diesem Knaller wird Oppo Samsung und Apple gefährlich

Das Oppo Find X3 Pro ist ein rundum gelungenes Smartphone, das keine grossen Schwächen hat. Oppo spielt nun locker in einer Liga mit Samsung und Apple. Und bietet einige spannende Extras, etwa die tolle Weitwinkel-Kamera, die Mikroskop-Funktion oder das Schnell-Laden.

Sympathisch auch, wie der Hersteller auf viele Details achtet. Man bekommt etwa das Fast-Charge-Ladegerät und das farblich passende Case mitgeliefert. Zudem gibts für alle Schweizer Kunden im ersten Jahr eine Display-Reparatur gratis, falls das Gerät mal aus den Händen fallen sollte und man Pech hat.