Bosch bringt ABS und mehr Features für alle E-Bikes

Bosch baut die Features seines smarten E-Bike-Systems massiv aus. Neben neuen Motoren und Akkus stechen Diebstahlschutz und ABS hervor. Wir haben uns alle News genau angeschaut.

TextLorenz Keller


Ein sicheres Vergnügen für Fahrerinnen und Fahrer, ein Horror für Diebe: E-Bikes mit den neusten Komponenten des deutschen Herstellers werden sicherer, besser und smarter. Bosch bringt ABS und mehr Features für alle E-Bikes.

Zwar baut Bosch selber ja keine E-Bikes, aber über 100 Velomarken setzen auf den Antrieb des bekannten Zulieferers. Schritt für Schritt werden diese auf das neue smarte System umstellen, das Bosch Ende 2021 vorgestellt hatte. Wir haben bereits eines der ersten Fahrräder mit dem neuen vernetzten Antrieb getestet: Das kann man sich hier anschauen und den Test nachlesen.

Mehr Power und mehr smarten Komfort

Bisher gabs ja einen Motor und einen Akku im smarten System von Bosch. Diese sind mit einer klassischen Anzeige nutzbar, aber auch mit der Smartphone-App. Das Handy kann man dank einer Halterung mit drahtloser Ladefunktion sogar als Display und Navi nutzen.

Nun kommen in den nächsten Wochen und Monaten Schritt für Schritt neue Komponenten auf den Markt. So erscheinen vier neue Akkus. Bisher gabs nur die PowerTube 750 mit 750 Wh Leistung, neu kommen günstigere und leichtere Varianten mit 625 und 500 Wh dazu.

Und es gibt zwei PowerPacks mit 725 und 545 Wh, die sich schnell und leicht austauschen lassen, etwa für Cargo-Bikes. Hier auch speziell, dass man bei vielen Bike-Herstellern beide Grössen in dieselben Halterungen stecken kann. Wer also ein Velo mit kleinem Akku kauft, kann später auf die grosse Batterie aufrüsten.

Auch beim Motor gabs bisher nur die leistungsstärkste und teuerste Variante mit 85 Watt. Neu ist auch eine Variante mit 75 Watt erhältlich. Zusätzlich kommen Motoren für E-Bikes bis 45 km/h und ein spezieller Antrieb für Cargo-Fahrräder auf den Markt.

Die Hardware ist das eine, die Software bekommt aber ebenfalls ein Update. Und zwar mit einem neuen Auto-Modus, der bei Gegenwind und Steigung automatisch mehr Power freigibt als geradeaus mit Rückenwind. Ein neuer Cargo-Modus ermöglicht es, die eigene Kraft um 400 Prozent zu verstärken, so dass man auf Lastenräder auch wirklich einiges an Gewicht transportieren kann. Das alles kommt per Update auch auf bisher schon ausgelieferte Bikes mit smartem System.

Sicheres Bremsen wie bei Auto oder Motorrad

Die Neuerung mit der grössten Wirkung ist ABS. Das Antiblockiersystem kennt man ja schon von Autos und Motorrädern – auch dort wird es oft von Bosch geliefert. Der deutsche Hersteller liefert bereits seit 2019 eine erste Version des ABS für E-Bikes aus.

Allerdings bisher nur genau für eine Velogrösse und mit einem ziemlich grossen Steuergerät. Das ist in der neusten Version auf die Grösse von zwei Zündholzschachteln geschrumpft und kann diskreter in der Nähe des Vorderrades am Rahmen platziert werden. Zudem kann man nun alle Velos mit dem smarten System damit ausrüsten: Cargobikes, Mountainbikes, Fahrräder für die City und alle Rahmengrössen.

Für die unterschiedlichen Modelle gibts auch unterschiedliche Modi. Etwa den Trail-Modus, wenn man abseits der Strasse auf Bike-Strecken unterwegs ist.

Zwei Grundfunktionen deckt das ABS ab. Zum einen wird das Blockieren des Vorderrades verhindert, indem der Bremsdruck automatisch angepasst wird. So kann man das Velo in der Spur halten, auch wenn man etwa auf Kies eine Vollbremsung machen muss. Wichtig ist einfach, dass man auch wirklich mit beiden Bremsen richtig zulangt.

Zusätzlich soll eine zweite häufige Unfallursache verhindert werden, nämlich der Überschlag. Auch bei heftigen Bremsmanövern soll der Velofahrer nicht über den Lenker geschleudert werden. Laut Studien könnte man mit ABS knapp 30 Prozent der leider zunehmenden E-Bike-Unfälle verhindern.

Allerdings wird ABS nicht so schnell in allen Fahrrädern zum Einsatz kommen. Das liegt daran, dass das System in Kombination mit den benötigten hochwertigen Magura-Bremsen rund 400 bis 500 Franken Aufpreis kostet. Bei hochwertigen und teuren E-Bikes spielt das weniger eine Rolle als im Massensegment, wo man 3000 Franken oder weniger für ein Velo zahlt.

GPS macht dem Dieb das Leben schwer

Bislang konnte man bereits sein Bosch-E-Bike mit dem Handy «abschliessen». Der Motor lässt sich nur starten, wenn man ihn mit dem Smartphone-Schlüssel wieder entsperrt. Neu lässt sich auch ein Alarm mit GPS einbauen.

Noch immer kann man nicht aufs konventionelle Schloss verzichten, denn Bosch darf aus rechtlichen Gründen nicht mit dem E-Motor den gesamten Antrieb blockieren. Aber für Diebe wird ein mit diesem System gesichertes Velo total unattraktiv.

Wird das Fahrrad bewegt, gibts erstmalig nur einen Alarmton. Nach dem Motto: Hey, ich habe bemerkt, dass da was passiert. Das verhindert Fehlalarme, falls etwa ein Bike im Veloständer verstellt wird. Sobald nun das Velo weiter von der durch ein integriertes GPS gespeicherten Position wegbewegt wird, fängt der Alarm richtig an zu tönen.

Gleichzeitig gibts eine Push-Meldung auf das Handy des Besitzers, der den Standort des Velos auf dem Handy mitverfolgen und diesen auch der Polizei weitergeben kann. Sollte der Dieb den nervigen Alarm abschalten und das GPS ausbauen können, dann sind Motor und System weiter unbrauchbar. Sie lassen sich nur mit dem im Handy gespeicherten Schlüssel wieder entsperren.

Gratis ist der GPS-Dienst aber nur im ersten Jahr. Danach zahlt man 5 Franken im Monat oder 40 Franken im Jahr. Nutzbar ist dieser auch nur, wenn am Bike der Connect-Modus mit eigenen Sensoren, GPS und kleinem Akku verbaut ist.

Bosch bringt ABS und mehr Features für alle E-Bikes

Auch für die eBike Flow App gibts Updates. So können Nutzer des Velo-Routenplaners Komoot diesen auch mit der Bosch-App verbinden. Und Apple-Watch-Träger finden die wichtigsten Infos neu auch auf einer speziellen App für die Uhr. Händler können ab Herbst zudem das Servicebuch des Velos digital in der App nachführen.

Man muss ja das System nicht mit dem Handy nutzen, es gibt auch Displays und Bedienungsknöpfe. Neu kommen eine ganz kleine Fernbedienung und ein einfacher 2,5-Monochrom-Screen mit grossen Zahlen dazu.

Insgesamt baut Bosch sein smartes System massiv aus. Und bald dürften viele der Hersteller ihre Produktion auf die neuen Komponenten umstellen. Was genau sie nutzen und einbauen werden, das bleibt ihnen natürlich überlassen. Wer an bestimmten Features speziell interessiert ist, muss das natürlich beim Kauf genau anschauen.

Der Vorteil des Baukastensystems ist natürlich, dass die Komponenten auf alle möglichen Preisklassen und Fahrradtypen ausgerichtet werden können. Teilweise können die Fachhändler Komponenten auch nachrüsten.

Allerdings muss man dann eben auch genau schauen, was das smarte Bosch-System bei einem konkreten Modell wirklich beinhaltet und was nicht. Die grösste Herausforderung der nächsten Monate aber bleibt sowieso, dass überhaupt die weiterhin weltweit stark steigende Nachfrage nach E-Bikes gedeckt werden kann.