Samsung hat das beste Handy verbessert – reicht das?

Das Galaxy S21 Ultra zeigt im Test keine Schwächen. So sind gerade bei der Kamera die Verbesserungen augenfällig. Die Konkurrenz wird aber nicht distanziert, dazu fehlen die Überraschungen.

TextLorenz Keller

Pros

  • Bester Bildschirm auf dem Markt
  • Kamera in allen Bereichen verbessert
  • Ausgezeichneter Zoom
  • Technisch auf neustem Stand, etwa mit WiFi 6e
  • Alle aktuellen Features inklusive

Cons

  • Gross, schwer und etwas unförmig
  • Günstiger geworden, aber immer noch teuer
  • Keine überraschenden, neuen Features
  • Kein Speicherkartenslot mehr und kein Netzteil mitgeliefert

Ab sofort ist das Samsung Galaxy S21 Ultra offiziell erhältlich. Mit 128 GB Speicher starten die Preise ab rund 1250 Franken. Ein happiger Preis und sogar etwas mehr als der härteste Konkurrent, das iPhone 12 Pro Max. Immerhin: Im Vorjahr verlangte Samsung noch mehr und hat mit dem S20 Ultra dann viele Käufer enttäuscht. Samsung hat nun das beste Handy verbessert – reicht das?

Übrigens: Eine grosse Übersicht zu allen drei neuen Smartphones von Samsung bekommt man hier in diesem Artikel. Denn für ein neues S21 muss man nicht unbedingt über 1000 Franken ausgeben, es gibt auch günstigere Varianten.

Die Top-Ausstattung hat nur wenige Schwächen

Eine der zwei grossen Schwächen des Vorgängers hat Samsung ausgeräumt. Der neue Exynos 2100 Prozessor mit 12 GB Arbeitsspeicher ist kein Stromfresser mehr. Der 5000 mAh grosse Akku hält locker einen intensiven Arbeitstag durch, was man aber auch erwarten darf bei einem solchen Gerät.


Auch die restliche Ausstattung ist das, was man erwarten darf, und soll zum Preis von weit über 1000 Franken: ein wasserfestes Gehäuse, zwei SIM-Kartenslots (einer mit 5G) oder eben auch der schnelle Prozessor, der auch anspruchsvolle Apps zum Fliegen bringt. Toll, wie schnell alles läuft.

Positiv fällt der Fingerabdruck-Scanner auf, der merkbar schneller ist als bei den letztjährigen Modellen. Und als erster grosser Hersteller setzt Samsung auf den neuen WLAN-Standard Wifi 6E. Passende Router mit mehr Tempo und Bandbreite kommen bald auf den Markt.

Schade verzichtet Samsung trotz Toppreis auf drei Dinge: In der Box gibts keinen Charger und keine Kopfhörer mehr. Und im Gegensatz zum S20 Ultra kann man das S21 auch nicht mit einer zusätzlichen Speicherkarte ausrüsten. Der Slot fehlt, man muss mit dem integrierten Speicher von 128, 256 oder 512 GB auskommen.

Hier wurde eine Chance verpasst, sich etwa von Apple positiv abzugrenzen. Immerhin verlangt Samsung keinen absurd hohen Aufpreis für die Versionen mit mehr Speicher.

Immerhin: Wer will, kann nun auch den S-Pen mit dem S21 Ultra nutzen. Bislang ging das ja nur mit den Note-Modellen. Den Stift muss man aber extra kaufen, und er findet auch nicht direkt im Gehäuse Platz.

Der Bildschirm ist ein Hingucker in jeder Hinsicht

Im Alltagstest als absolutes Highlight hat sich der 6,8-Zoll-Screen herausgestellt. Mit 1440 auf 3200 Pixel hochaufgelöst und mit knalligen Farben sind gerade Fotos und Videos ein Genuss. Es steht dem Ultra auch gut, dass der Bildschirm flacher ist als beim Vorgänger und sich nur noch leicht über die Ränder zieht.

Dazu kommt die variable Bildwiederholrate von bis zu 120 Hertz. Wischt man sich durch die Menüs oder springt von App zu App, wirken die Übergange wunderbar fliessend. Im Alltag sehr praktisch ist auch, dass das Display heller ist als bei den meisten anderen Modellen.

Hier kann sich Samsung deutlich vom iPhone 12 abheben und setzt im Markt wie fast jedes Jahr mal Anfang Jahr den Massstab, an dem sich alle anderen messen müssen.

Etwas zu langweilig für ein Topmodell

Während das S21 und das S21 Plus mit neuen Farben und einem optisch deutlich abgehobenen Kamerasystem überraschen, gibts das Ultra nur gerade in zwei Farben. Wir haben das schwarze Modell für den Test erhalten. Klar: Liebhaber von mattem Schwarz werden begeistert sein.

Für alle anderen ist es ein schwarzer, schwerer, etwas unförmiger Klotz. Als Alternative gibts ein schimmerndes Silber, das immerhin etwas aufregender aussieht, aber auch nicht kaschieren kann, dass das Ultra beim Design weniger überzeugt als die günstigeren Schwestermodelle.

Ausdrücklich abraten muss man leider von der Samsung-Silikon-Hülle. Die hat viel zu hohe Ränder, was bei der Gestenbedienung nervt. Zudem schwabbelt sie unten beim USB-Anschluss und ist ein Staubfänger sondergleichen. Dunkle Hüllen sehen nach wenigen Tagen schon total verdreckt aus.

Die Kameras sind deutlich verbessert

Für unseren Test haben wir das S21 Ultra mit dem Vorgängermodell S20 Ultra und dem iPhone 12 Pro Max verglichen. Samsung hat ja das Handy bildmässig verbessert, aber reicht das?

Sinnbildlich ist der Vergleich des Nachtmodus. Hier sieht man deutliche Fortschritte vom S20 zum S21. Es sind mehr Details erkennbar, das Bild wirkt heller und ausgewogener. Aber das S21 kann das iPhone 12 nur einholen nicht überholen. Es ist dann schlussendlich Geschmackssache, ob man etwas kühlere Fotos des S21 oder das wärmere des iPhone 12 besser mag.

Bei unserem zweiten Beispielfoto haben wir auf den Baum im Vordergrund fokussiert, der im Schatten liegt. Die Software der Phones versucht nun die grossen Helligkeitsunterschiede auszugleichen. Die Unterschiede von S20 zu S21 sind klein, das neuere Modell schafft es, einige Details mehr abzubilden.

Bei beiden Samsung-Kameras ist die Nachbearbeitung aber etwas zu stark. Der Baum wirkt zu grünlich, die Bäume im Hintergrund viel zu hell aufgedreht. Das iPhone ist da zurückhaltender und schafft die bessere Bildkomposition. Nur beim blauen Himmel übertreibt es auch Apple masslos.

Insgesamt macht das S21 ähnlich gute Fotos wie das iPhone 12. Es ist eine Stil- und Geschmacksfrage, welche man lieber merkt. Fortschritte zum S20 sind sichtbar. Im Videobereich bietet das S21 mehr Funktionen und Spielereien, das iPhone ist aber beim Fokussieren schneller und zuverlässiger.

S21 hängt bei Zoom und Makro alle ab

Auftrumpfen kann das ganz neue Ultra in den Spezialdisziplinen, nämlich wenn man ganz nahe und ganz weite Sujets ablichten will. Man kann etwa tolle Makroaufnahmen machen, Vorgängermodell und iPhone haben keine Chance. Da kommt man einfach gar nicht so nahe heran.

Auch beim Thema Zoom verliert das iPhone 12 hochkant. Und das nicht nur, weil man maximal 12x heranzoomen kann. Auch in allen Zwischenbereichen sind beide Samsungs besser und das S21 Ultra einsame Spitze. Schauen wir uns mal die Bilder mit 12x an. Das iPhone-Foto ist deutlich pixliger als die zwei Galaxy-Fotos. Beim S21 stimmen Farben, Kontrast und Schärfe noch besser. Es wirkt so, als habe man gar nicht herangezoomt.

Für die nächsten Vergleiche mit 30x und den maximalen 100x fällt das iPhone ganz weg, da es solche Vergrösserungen gar nicht schafft. Auch hier ist beeindruckend, dass das S21 deutlich besser ist als das Vorgängermodell. Das Foto mit dreissigfacher Vergrösserung ist durchaus noch sehr gut brauchbar, und auf der hundertfachen Vergrösserung kann man das Schild immer noch sehr gut lesen.

Samsung hat das beste Handy verbessert – reicht das?

Fassen wir den ausführlichen Test zusammen: Das S21 Ultra hat keine grossen Schwächen mehr. Im Bereich Display ist es gar führend. Und insgesamt gehört es als Gesamtpaket sicher zu den besten Smartphones, die man momentan kaufen kann. Wer bereit ist, viel Geld auszugeben, bekommt ein tolles Gesamtpaket mit allen Features, die momentan auf dem Markt verfügbar sind.

Was fehlt, ist der Überraschungseffekt, das Frische, das Spezial-Feature, das alle begeistert. Vielleicht hat sich das Samsung ja auch für den Rest des Jahres aufgespart, etwa für die faltbaren Smartphones.