Oppo zeigt das bisher beste Faltphone

Oppo hat sein erstes Faltphone vorgestellt: Das Find N überzeugt mit dem bisher im Alltag besten Format. Nun müssen die Fans den Hersteller noch davon überzeugen, das Gerät auch nach Europa zu bringen.

TextLorenz Keller


Nun steigt auch Oppo in den Markt der Falthandys sein – und das gleich mit einem sehr alltagstauglichen und ausgereiften Produkt. Wir konnten ein Vorserienmodell des Find N bereits austesten und finden: Oppo zeigt das bisher beste Faltphone.

Endlich das ideale Format gefunden

Mit ganz unterschiedlichen Formaten haben die Hersteller bisher versucht, Falttelefone zu verkaufen. Pioniere waren Samsung und Huawei. Beide Hersteller haben inzwischen bereits die zweite oder dritte Generation an Geräten auf dem Markt.

Dazu kommen Xiaomi und Motorola – und Microsoft mit einem faltbaren Telefon aus zwei Bildschirmen. Das zählt aber irgendwie nicht richtig, denn die anderen Hersteller haben nur einen grossen Screen, den man in der Mitte falten kann.

Zwei Konzepte spielen momentan in der Schweiz eine Rolle. Samsung und Motorola haben jeweils ein Gerät im Angebot, das einen normalgrossen Bildschirm hat, den man dann in die Hälfte falten kann. Vor allem das Galaxy Z Flip 3 von Samsung hat im Daskannwas-Test überzeugt.

Samsung bietet zusätzlich auch noch das Galaxy Z Fold 3 an (hier kann man den Test nachlesen). Es bietet innen einen faltbaren Screen, der fast so gross ist wie ein Tablet. Zusätzlich gibts einen Screen aussen, sodass man das Fold im Gegensatz zum Flip auch zusammengeklappt nutzen kann.

Oppo kopiert das Fold-Konzept, nutzt aber einen anderen Formfaktor. Das Find N ist deutlich weniger hoch als das Fold, dafür etwas breiter. So wirkt es insgesamt kompakter, kann aber mit einer Hand im zusammengeklappten Format deutlich besser bedient werden.

Handlich und doch viel Screen

Es ist erstaunlich, wie viel so eine Formatanpassung ausmacht. Die beiden Faltphones sind zwar bis auf ein paar Gramm ähnlich schwer – und mit fast 280 Gramm ein richtiger Mocken. Trotzdem wirkt das Oppo deutlich handlicher – und ist vor allem im geschlossenen Zustand besser bedienbar.

Der 6,2 Zoll grosse Aussenscreen bei Samsung ist auf dem Papier zwar deutlich grösser als der 5,49-Zoll-Bildschirm bei Oppo. Aber im Test liess sich das Find-N-Display im 18:9-Format deutlich besser nutzen als der hochgeschossene Fold-Screen.

Denn beim Galaxy Fold tippt man aussen auf der schmalen Tastatur schlecht und erreicht die Bedienelemente im oberen Bereich schlechter. Und da man den Aussenscreen ja gerade dafür nutzen wird, um schnell eine Nachricht zu schreiben, ist das ein entscheidender Vorteil.

Dass das Oppo insgesamt einfach auch harmonischer aussieht, das ist ein netter Nebeneffekt. Vor allem der Aussenscreen ist deutlich schicker, zudem versteckt Oppo die Ränder auch nicht verschämt mit dunkelschwarzer Farbe, sondern akzentuiert sie in Anthrazit. Auch wenn sie schlussendlich gleich dünn oder dick sind, wirkt das hochwertiger.

Auffällig auch, dass der Falz in der Mitte des grossen Bildschirms bei Oppo weniger spürbar ist als bei unserem Samsung-Testgerät. Sichtbar ist er beim Find N praktisch gar nicht mehr. Oppo zeigt bisher die beste Technik in einem Faltphone.

Nachteil beim Video, Vorteil in der Bedienung

Einen Vorteil allerdings hat das Samsung-Design: Innen hat man 7,6 Zoll zur Verfügung, bei Oppo sind es nur 7,1 Zoll. Und Videos lassen sich so in sichtbar grösserem Format abspielen – wenn man das Samsung quer hält.

Denn auch hier gibts einen klaren konzeptuellen Unterschied: Klappt man die zwei Foldables auf, ist der Bildschirm beim Oppo bereits im Querformat, also breiter wie hoch. Beim Fold ist er immer noch hochformatig, fürs Querformat muss man ihn drehen.

Startet man etwa Youtube, dann hat man beim Oppo zuerst mehr Bild, sobald man das Samsung quer dreht, ist dort die Videofläche grösser. Zusätzlich kann man beim Galaxy Z Fold auch noch auf Vollformat zoomen. Beim Oppo ist das zumindest in der jetzigen Version noch gesperrt.

Während man das Oppo also nicht kippen muss, um Medien und Multitasking in schöner Breite zu geniessen, ist es dafür mit dem Tippen schwieriger. Aufgeklappt braucht man für die Bedienung aber bei beiden Geräten immer zwei Hände.

Auch das Multitasking hat Oppo elegant gelöst: Bei einer offenen App fährt man zwei Finger von oben nach unten über den Bildschirm und teilt damit den Screen. Links erscheint die bereits geöffnete App, rechts kann man sich eine zweite für Multitasking öffnen. Mit vier Fingern kann man übrigens eine App als schwebendes Fenster anzeigen lassen.

Kommt das Oppo Find N in die Schweiz?

Ein weiterer Nachteil des Oppo gegenüber des Samsung: Es ist nicht wasser- und staubfest. Jedenfalls hat es keine Zertifizierung wie das Galaxy. Sonst ist es sehr ähnlich, beide grossen Screens sind hochauflösend und bieten eine 120-Hertz-Bildwiederholfrequenz.

Angetrieben wird das Find N vom aktuellen Topprozessor, dem Snapdragon 888 mit 12 GB Arbeitsspeicher und 512 GB Speicher. Die Batterie mit 4500 mAh lädt mit bis zu 33 Watt am Kabel und 15 Watt kabellos. Der schnelle Fingerabdruckscanner ist an der Seite angebracht.

Toll natürlich auch, dass man ein vollwertiges Kamerasystem hat – mit dem ausgezeichneten 50 Megapixel Sensor von Sony. Dazu eine Weitwinkel-Objektiv und ein Zweifachzoom. Und dank des Aussenscreens kann man Selfies mit den besten Kameras machen.

Das Umschalten auf den Aussenscreen bei aufgeklappten Device ist leider wie bei Samsung zu kompliziert und braucht zu viele Klicks. Immerhin hat man die volle Kontrolle über die Kamera.

Während es der rollbare Screen im Oppo X, das letzten Februar gezeigt wurde, bisher nie in Serie geschafft hat, kommt das Find N in China bald schon auf den Markt. Die Preise liegen bei knapp 2000 Franken – ähnlich wie das Galaxy Fold 3, eher ein klein wenig mehr.

Ob überhaupt und wann das schicke Faltphone nach Europa und in die Schweiz kommt, ist leider noch völlig unklar. Das wird wohl auch davon abhängen, wie enthusiastisch die Fans auf die Neuvorstellung reagieren.

Oppo zeigt das bisher beste Faltphone

Schritt für Schritt nähern sich die Faltphones dem Massenmarkt an – als echte Alternative zu einem normalen Smartphone. Sie sind schon recht handlich und nicht mehr übertrieben klobig. Samsung hat zudem wasserfeste Geräte eingeführt und mit dem Flip ein Modell, das nur noch rund 1000 Franken kostet. Nicht viel mehr als andere Flaggschiffe.

Und bei Oppo nähert man sich nun einem guten Formfaktor an, der im Alltag auch wirklich praktisch ist. Eine normale, handliche Grösse zugeklappt – und eine grosse Fläche für Multimedia und Multitasking, sobald man den Bildschirm entfaltet.