So lösen Sie das WhatsApp-Problem längerfristig

Der Messenger von Facebook steht seit Monaten in der Dauerkritik. Wir sagen, was das Problem ist – und wie jeder persönlich zu einer guten Lösung kommt.

TextLorenz Keller

Seit Monaten schon hagelt es einen Shitstorm nach dem anderen. WhatsApp und Mutterkonzern Facebook stehen in der Dauerkritik. Zuletzt gabs vermeintliche Probleme mit dem Apple-Store – und einen Kettenbrief, der auf die verunsicherten User zielte. Damit muss bald Schluss sein. So lösen Sie das WhatsApp-Problem längerfristig.

Das sind die zwei Probleme von WhatsApp

Der Auslöser für die Diskussionen um WhatsApp seit Anfang Jahr ist die Änderung der Nutzungsbedingungen. Hier haben wir darüber berichtet. Die Facebook-Tochter will neu mehr Daten mit anderen Unternehmen im Konzern austauschen, etwa um noch zielgerichteter personalisierte Werbung zu schalten.


Das bedeutet nicht, wie fälschlicherweise angenommen wird, dass Facebook nun jede WhatsApp Nachricht mitliest. Es geht um allgemeinere Daten, die dann eben mit dem Tracking auf anderen Webseiten kombiniert wird. Der Aufschrei war und ist trotzdem gross.

Einerseits scheint vielen Usern erst jetzt bewusst geworden zu sein, dass WhatsApp zu Facebook gehört. Und dass die Dienste immer stärker miteinander verwoben werden.

Andererseits missfällt vielen generell die Geschäftspolitik der Facebook-Gruppe. Geld verdient der Anbieter mit personalisierter Werbung, die Grundlage dafür sind möglichst genaue Userdaten, die aus möglichst vielen Quellen gesammelt und verbunden werden.

Wirklich transparent ist das für den normalen Nutzer nicht. Zudem geniesst Facebook nach diversen Skandalen auch kein grosses Vertrauen bei diesem Thema. Die meisten User glauben nicht mal mehr, dass sich der US-Konzern an die eigenen Vorgaben hält.

Weg von WhatsApp, hin zu einer der alternativen Messenger

Was tun? Wem der Umgang von Facebook mit Datenschutz und Privatsphäre nicht passt, der sollte jetzt die Gelegenheit nutzen, auf eine oder mehrere Alternativen zu wechseln. Da das Thema breit diskutiert wird, probieren einerseits sowieso viele Leute Messenger aus, andererseits ist das Verständnis für einen WhatsApp-Abschied so gross wie noch nie.

Ob man allerdings wirklich alle Kontakte überzeugen kann, ebenfalls zu wechseln, das ist dann die grosse Frage. Um Kontakte mit Einzelnen zu halten, gibts ja notfalls auch noch SMS oder Mail. Schwieriger wirds bei Gruppen-Chats im Freundeskreis, in der Familie oder auch im Umfeld von Sport oder Schule. Das WhatsApp-Problem längerfristig zu lösen, ist gar nicht so einfach.Die Liste an Alternativen ist lang. Wir stellen hier kurz jene drei Messenger vor, die bei uns momentan neben WhatsApp am populärsten sind. Aber eben, es gibt daneben auch noch Wire, Ginlo oder Viber. Eine Übersicht und Einordnung aus Datenschutz-Aspekten findet man etwa hier bei der deutschen Verbraucherzentrale.

Threema: Die Schweizer App ist hierzulande natürlich recht populär. Sie gilt als sehr sicher und vertrauenswürdig, kostet allerdings ein paar Franken. Man kann sie etwa auch nutzen, ohne die Handykontakte freizugeben. Und man kann sich sogar anonym ohne Handynummer anmelden.

Signal: Die Alternative aus den USA hat ebenfalls den Ruf, sehr sicher zu sein. Zudem ist die App Open Source, der Programm-Code kann also jederzeit überprüft werden. Allerdings brauchts zwingend eine Handynummer, um sich anzumelden. International ist es sicher die beliebteste Alternative.

Telegram: Fast ein bisschen vom Regen in die Traufe kommt man, wenn man aus Datenschutzgründen von WhatsApp zu Telegram wechselt. Das deutsche Tech-Portal Heise.de hat etwa nachgewiesen, dass fast alle Chats auf den Servern von Telegram gespeichert werden. Nur geheime Chats sind wirklich gut verschlüsselt und für niemanden mitlesbar. Doch die muss man gut suchen: Man klickt auf einen Kontakt und drückt neben dem Namen auf die drei Punkte und dann auf «Geheimen Chat starten». Überzeugen kann Telegram mit tollem Funktionsumfang, den öffentlichen Kanälen und dass man es überall nutzen kann, auch auf mehreren Geräten gleichzeitig. Kritik gibts aber ebenfalls, weil sich hier in Gruppenchats zunehmend Extremisten und Verschwörungstheoretiker tummeln.

Mit WhatsApp weiterleben und auf Reaktion hoffen

Es gibt durchaus Gründe, dass man nicht auf WhatsApp verzichten kann oder will. Wer im ersten Impuls den neuen Datenschutz-Bestimmungen zugestimmt hat, kann das leider nicht mehr rückgängig machen.

Wer das noch nicht gemacht hat, der kann momentan weiterhin darauf verzichten, ohne grosse Nachteile zu haben. Nur das immer mal wieder aufpoppende Fenster nervt natürlich. Aber zumindest setzt man so symbolisch ein Zeichen.

Je weniger der Erklärung zustimmen, desto grösser wird der Druck auf Facebook, sich das Ganze nochmals gut zu überlegen. Und man hat ja gesehen, dass der Anbieter die Deadlines bisher immer weiter nach hinten geschoben hat.

Zudem ist international von Datenschützern und Behörden ebenfalls ein recht grosser Druck da. Facebook und WhatsApp stehen unter Beobachtung und werden gemassregelt. Mittelfristig muss der Konzern sicher seine Geschäftspolitik überdenken, um vom schlechten Image wegzukommen und nicht laufend Kunden zu verlieren.

So lösen Sie das WhatsApp-Problem längerfristig

Eine praktikable Lösung für viele Leute, die nicht ganz umsteigen wollen. Man setzt auf zwei oder gar noch mehr Messenger parallel. Seine engsten Kontakte versucht man zu animieren, auf eine der Alternativen umzusteigen. Also etwa auf Threema oder Signal.

WhatsApp nutzt man nur noch dort, wo es sein muss. Etwas für Gruppenchats oder für Kontakte mit Menschen, die keinen anderen Messenger nutzen wollen. Den Hauptteil der Kommunikation verlagert man aber – und verringert so die Menge an verwertbaren Daten bei WhatsApp deutlich.

Der Marktmacht von Facebook ganz zu entkommen, ist nämlich sowieso nicht ganz einfach. Natürlich müsste man dazu primär mal seinen Facebook-Account löschen, aber auch Instagram gehört zum Konzern. Zusätzlich ist Facebook aber auch auf vielen Webseiten mit Tracking präsent. Für Normalnutzer ist das kaum durchschaubar.

Aber: Wer sich mit dem Thema auseinandersetzt, sich informiert und bewusste Entscheidungen trifft, der hat schon einen wichtigen Schritt gemacht. Das gilt übrigens für alle Apps und Dienste, gerade wenn sie gratis sind.