Garmin baut die bessere Smartwatch

Die Garmin Epix 2 überzeugt im Test mit einem Mix aus smarten Funktionen und vollwertiger Sportuhr. Zwar ist sie mit 950 Franken nicht günstig, aber jeden Franken wert.

TextLorenz Keller


Pros

  • Enorm lange Akkulaufzeit
  • Wuchtiges Uhren-Design
  • Heller und schöner Screen
  • Umfassendes Sport-Tracking direkt auf der Uhr
  • Alle wichtigen smarten Funktionen

Cons

  • Hoher Preis
  • Teilweise komplexe Bedienung

Smartwatches haben ein Problem: Der Akku hält meist nur 24 Stunden – faktisch muss man jede Nacht nachladen. Und Uhren mit längerer Laufzeit sind meist nicht ganz so smart. Die neue Epix 2 schafft den Spagat fast perfekt: Garmin baut die bessere Smartwatch.

Endlich nicht mehr dauernd nachladen

Wer eine Apple Watch oder auch eine der Android-Alternativen von Samsung oder Oppo nutzt, der kennt das Problem. Die Batterien halten vielleicht 24 Stunden, vielleicht gar 36 Stunden. Aber gerade wer die smarten Funktionen auch wirklich nutzt, der wird faktisch jede Nacht seine Uhr auf die Ladestation legen. Schon alleine damit man eine gewisse Routine hat und so nicht plötzlich ohne Akku dasteht.

Bei der Garmin-Uhr ist das ganz anders. Ein verlängertes Wochenende in den Bergen? Keine Minute muss man einen Gedanken dafür verschwenden, das Ladegerät mitzunehmen. Denn auch wenn man das ganze Weekend Wanderungen oder Skitouren aufzeichnet und auch noch jede Nacht den Schlaf trackt, schlapp macht der Akku auf keinen Fall.

Wir hatten bei sehr intensiver täglicher Nutzung mit Tracking und GPS jeweils fünf Tage Akkulaufzeit. Ohne Tracking sind es zehn Tage und mehr. Garmin verspricht sogar bis zu
16 Tage Laufzeit.

Das ist schon sensationell, und wenn man es mal hatte, will man nie mehr umsteigen. Gerade wenn man regelmässig seinen Schlaf mitverfolgen will, ist die lange Batterielaufzeit ein Segen.

Alles auf der Uhr drauf

Zur Effizienz trägt bei, dass die Epix so konzipiert ist, dass man sie auch ohne Smartphone nutzen kann. Sprich: Die Uhr sucht nicht dauernd den Kontakt zum Handy, um Daten zu übertragen. Klar, es kommen Benachrichtigungen, wenn man das eingestellt hat. Und die werden wie bei einer Smartwatch schön dargestellt.

Aber die meisten Funktionen sind voll auf der Uhr nutz- und auswertbar. So erhält man etwa direkt auf der Uhr fürs Tracking von Sport, Freizeit oder Schlaf die genauen Auswertungen für mehrere Tage. Man sieht alle Daten und kann sich in die Details vertiefen.
Bei Smartwatches muss man dafür ja dann oft in die App wechseln.

Die App auf dem Smartphone wird hauptsächlich dafür genutzt, um alle Daten zu synchronisieren, und natürlich kann man gewisse Dinge hier grafisch schöner ablesen – vor allem Karten oder längerfristige Kurven. Zudem ist es manchmal einfacher, hier Einstellungen zu finden.

Unendlich viele Funktionen, die man lernen muss

Die Epix ist natürlich weiterhin eine vollwertige Sportuhr. 60 Sportarten und Outdoor-Aktivitäten können getrackt werden, jeweils gekoppelt mit präziser GPS-Streckenaufzeichnung. Die Karten dazu sind bereits direkt auf die Uhr geladen.

Spezielle Golf- und Skikarten gibts ebenfalls, sodass hier das Tracking ebenfalls äusserst präzise ist. Die Epix misst unter anderem die Sauerstoffsättigung, den Puls, die Atemfrequenz und den Stress. Auch der Schlaf kann präzise nachverfolgt werden.

Trainings für Cardio, Kraft, Yoga und Pilates sind mit animierten Anwendungen ebenfalls direkt auf der Uhr abrufbar. Beim Rennen hilft eine Automatik, die Pace auf einer vorher bestimmten Strecke zu halten.

Es sind unglaublich viele Features und Funktionen integriert. Und alle nicht nur einfach so oberflächlich, sondern in ihrer Tiefe auch für Profis gedacht. Als Einsteiger ist das nicht immer einfach – gerade wenn man vorher noch keine Sportuhr benutzt hat.

Denn die Logik hinter vielen Funktionen ist anders als bei einer Smartwatch. So wird etwa automatisch der Touchscreen gesperrt, wenn man das Skitracking startet. Man kann dann nur noch die Knöpfe zur Bedienung nutzen. Natürlich kann man das auch wieder ausschalten und auch in der App die Standardeinstellung wechseln, aber in der Smartphone-Logik wäre es genau umgekehrt.

Wer bisher Smartwatches genutzt hat oder noch gar keine digitalen Uhren, der braucht doch einiges an Eingewöhnungszeit. Und es lohnt sich auch wirklich, sich mit den Funktionen vertieft zu beschäftigen und die Tiefen der Menüs zu erkunden. Denn man kann fast alles anpassen und auf die eigenen Bedürfnisse konfigurieren.

Viel Smartwatch in der Sportuhr

Was die Epix so besonders macht, sind die vielen, teilweise neuen Funktionen aus der Smartwatch-Welt. Da ist zuerst einmal der 1,3-Zoll-Amoled-Screen, den man über Berührung steuern kann. Als Ergänzung zu den fünf bewährten Knöpfen an der Seite, wie man sie schon länger von Garmin kennt.

Der Screen hat einen Always-on-Modus, sodass man die Uhrzeit immer sieht. Er ist schön hell und darum auch bei Sonnenlicht gut ablesbar. Auch die Benachrichtigungen werden inklusive Logo der App schön dargestellt. Man erkennt also auf den ersten Blick, was ein Mail ist, was eine WhatsApp oder eine Benachrichtigung von Instagram.

Gewisse Apps lassen sich auch direkt integrieren. Musik von Spotify, Deezer oder Amazon kann etwa auch auf die Watch geladen werden, sodass man unterwegs ohne Smartphone Musik hören kann. Wichtig ist auch Garmin Pay. Damit kann man viele Kreditkarten auf die Watch holen und dann mit der Uhr drahtlos bezahlen.

Das Beispiel Garmin Pay zeigt aber auch die Grenzen der Epix auf: Das Bezahlen ist mindestens einen Schritt komplizierter als mit Android-Uhren oder der Apple Watch. Und so ist es oft: Optisch kann die Epix zwar mithalten mit der Smartwatch-Konkurrenz, vieles ist aber einfach komplizierter und etwas weniger smart. Umgekehrt gibts auch viel mehr Möglichkeiten, alles selber einzustellen.

Was auch nicht zu verachten ist: Die Epix ist zwar recht gross und wuchtig, aber doch vom Design her so, dass man sie jederzeit tragen kann. Nicht nur für Sport und Outdoor, sondern auch im Business-Umfeld oder sogar in der Oper.

Vielleicht nicht mit dem Silikon-Armband, aber mit einem aus Nylon, Leder, Metall oder Titan, das man ganz schnell anklicken kann. Garmin setzt hier auf ein eigenes System namens «QuickFit», man ist also auf die Auswahl des Herstellers angewiesen.

Garmin baut die bessere Smartwatch

Ab rund 950 Franken ist die Garmin Epix erhältlich. Das ist natürlich kein Schnäppchen, aber angesichts der Features durchaus ein fairer Preis. Und im Vergleich zu einer Smartwatch muss man eigentlich auf nichts verzichten. Im Gegenteil: Man hat viele zusätzlichen Funktionen aus dem Bereich Sport und Outdoor.

Klar, wer nur die Uhrzeit ablesen, Schritte zählen und Benachrichtigungen anschauen will, der findet dafür auch passende Modelle für 200 Franken oder weniger. Die Garmin Epix lohnt sich vor allem für jene, die einen täglichen Begleiter in allen Lebenslagen suchen – und die sich regelmässig bei Sport, Fitness oder Outdoor-Hobbys tracken wollen.

Als Einsteiger braucht die Uhr etwas Eingewöhnung, dafür kann man dann auch wirklich alles so konfigurieren, wie es für einen persönlich gut passt. Ist das alles erledigt, kann man sich vor allem auch über die lange Akkulaufzeit freuen, die sonst keine Smartwatch bietet.