Oppo zeigt, wie gut Mittelklasse sein kann

Zwei neue Smartphones für die Mittelklasse hat Oppo vorgestellt. Im Rest überzeugt das Reno 6 mit vielen Qualitäten für 499 Franken. Das Reno 6 Pro bietet von allem noch ein wenig mehr.

TextLorenz Keller


Die Mittelklasse ist umkämpft – und weitet sich immer weiter aus. Denn inzwischen gibts auch für 300 Franken richtige gute Smartphones. Die 700-fränkigen Geräte sind nicht mehr weit von den Top-Phones für 1000 Franken oder mehr entfernt. Auch Oppo zeigt mit seinen zwei Neuheiten, wie gut Mittelklasse sein kann.

Zwei Reno-6-Modelle, 300 Franken Unterschied

Während die Find-X-Modelle mit dem Flaggschiff Find X3 Pro die Flaggschiffe im Programm von Oppo sind, steht die Reno-Serie für die Mittelklasse. Zwei neue Geräte hat der Hersteller aus China im Programm: das Reno 6 für 499 Franken und das Reno 6 Pro für 799 Franken.

Trotz 300 Franken Unterschied haben die zwei Smartphones einige Gemeinsamkeiten. So etwa bei Design und Verarbeitung. Beide Handys wirken hochwertig und wirken wie ein Topmodell. Bei Design und Qualität muss man keine Abstriche machen.

Oppo kann dafür mit speziellen Rückseiten glänzen. Das Glas ist speziell bearbeitet und wirkt darum leicht rau. Das reicht zwar nicht aus, um es deutlich weniger rutschig zu machen als eine glatte Oberfläche. Aber – und das ist sofort sichtbar – Staub und Fingerabdrucke setzen sich auf der Rückseite des Reno 6 kaum mehr ab.

Auch die Farben schimmern schön, ohne total aufdringlich zu sein. Beim Pro sind das ein Grau, das aber auch bläulich schimmert. Und ein helles Blau. Das normale Reno 6 kommt in einem Schwarz, das wie ein Sternenhimmel glänzt. Und in einem recht hellen Blau-Weiss.

Der grösste Design-Unterschied zwischen den zwei Neuheiten: Das normale Reno 6 hat einen flachen Screen und runde Ecken – und erinnert damit in der Form stark ans iPhone 12. Das Pro wirkt eigenständiger mit seinem über die Kanten gezogenen Bildschirm.

Viele Gemeinsamkeiten in den Basics

Zwar sind die Displays der zwei Modelle nicht gleich gross, 6,43 Zoll beim Reno 6 und 6,55 Zoll beim Reno 6 Pro machen allerdings kaum einen Unterschied. Beides sind grosse, aber nicht riesige Phones mit einem leuchtenden und hellen Amoled-Screen.

Auch die Bildwiederholrate von 90 Hertz ist ausreichend: mehr als beim iPhone, aber weniger als einige Konkurrenten. Die bieten adaptive 120 Hertz je nach Situation, was Akku spart.

Die Batterielaufzeiten ist bei beiden Oppos übrigens ähnlich – und sehr gut. Die Kapazität von 4300 und 4500 mAh reicht auch bei 5G-Nutzung und langer Screen-on-Time gut einen Arbeitstag. Muss man nachladen, kann man das mit 65 Watt.

Ein passendes Netzteil liefert Oppo gleich mit, und so kann man den gesamten Akku in rund 30 Minuten aufladen. Schnell und bequem. Dasselbe Urteil kann man auch über den Fingerabdruck-Scanner sagen. Der befindet sich unter dem Display, was vor allem beim günstigeren Modell erstaunlich ist.

Beide Modelle können übrigens den Arbeitsspeicher erweitern. Man kann fix einen Teil des normalen Speichers für den Prozessor freigeben. Etwa, wenn man viel Foto- oder Videobearbeitung auf dem Smartphone macht oder grafiklastige Games zockt.

Auch die beiden grössten Kritikpunkte an den zwei Reno-Modellen haben sie gemeinsam. Und zwar können beide nicht drahtlos laden, sondern nur mit Kabel. Zudem sind sie nur spritzwassergeschützt und nicht so richtig wasserfest. Ein Regenguss oder ein ausgeleertes Getränkt macht also nichts, man sollte die Oppo-Phones aber nicht zum Schwimmen mitnehmen oder damit Unterwasserfotos machen wollen.

Für den Pro-Aufpreis gibts mehr Power

Im Alltagstest überzeugt das Reno 6 rundum. Man hat alles, was man braucht, und vermisst eigentlich nichts. Aber wie rechtfertigen sich denn die 300 Franken Aufpreis beim Reno 6 Pro?

Ein wichtiger Punkt ist sicher der Prozessor. Im günstigeren Modell arbeitet der Mediatek Dimensity 900. Der liefert zwar auch genug Power und 5G-Mobilfunk, ist aber weniger renommiert und etwas weniger leistungsstark als der Snapdragon 870, der im Pro-Modell zum Einsatz kommt.

Auch beim Speicher gibts mehr für mehr Geld: 12 statt 8 GB Arbeitsspeicher und 256 statt 128 GB normaler Speicher. Oppo zeigt, dass so was auch in der Mittelklasse möglich ist.

Das zweite grosse Upgrade erhalten Käufer eines 6 Pro bei den Kameras. Als Hauptsensor kommt hier derselbe Top-Sensor von Sony mit 50 Megapixeln zum Einsatz wie im Find X3 Pro. Und der ist ausgezeichnet in allen Situationen. Dazu gibts eine 16-Megapixel-Weitwinkel-Linse und ein 13-Megapixel-Zoom. Ein vierter Sensor mit 2 Megapixeln hilft bei Makroaufnahmen.

Das normale Reno 6 hat zwar dieselbe 32-Megapixel-Selfiekamera wie das Pro, sonst muss man aber Abstriche machen. Der 64-Megapixel-Hauptsensor ist eine günstigere Variante, das Weitwinkel löst nur mit 8 Megapixel auf. Einen echten Zoom gibts gar nicht, als dritter Sensor wirkt nur noch das Makro mit 2 Megapixeln.

Sehr gute Foto- und Videoqualität – im Pro noch etwas besser

Schauen wir uns die Aufnahmen der zwei Neuheiten doch etwas genauer an. Videobeispiele sieht man oben im Player. Hier zeigt es sich, dass die Unterschiede nicht gross sind. Das Pro ist bei den Farben noch etwas präziser und schafft es, grosse Kontraste besser auszugleichen.

Erstaunlich ist der Bokeh-Effekt, den man auch bei Videos nutzen kann. Der Hintergrund wird also automatisch unscharf. Das klappt gut, kann stufenlos eingestellt werden und sieht richtig schick aus. Die Selfiecam – egal ob bei Foto und Video – ist bei beiden Reno-6-Modellen praktisch identisch.

Bei normalen Fotos mit der Hauptkamera sieht man keine grossen Unterschiede. Die Farben wirken beim Pro etwas natürlicher, und Bereiche, die im Schatten liegen, sind deutlicher erkennbar.

Je schwieriger die Lichtsituationen sind, desto grösser werden die Unterschiede. Gut sichtbar etwa, wenn man mit dem Weitwinkel voll ins Gegenlicht fotografiert. Beim Reno 6 ist das Resultat ein unförmiger Sonnenfleck und starke Schatten. Beim Pro sind viel mehr Details erkennbar, und das Bild wirkt harmonisch und richtig brauchbar.

Fotografiert man beim Reno 6 mit 5-fachem Zoom, wird einfach digital ins 64-Megapixel-Bild reingezoomt. Das ist gar nicht mal so schlecht, im Vergleich zum echten Zoom des Pro gehen aber doch einige Details verloren.

Auch mit Makro-Aufnahmen kommt das Pro besser klar. Man kommt näher ran, ohne dass das Sujet unscharf wird, die Farben sind natürlicher, und man erkennt mehr Details.

Nur bei den Selfies kann das normale Reno 6 problemlos mit dem teureren Modell mithalten. Hier gibts kaum Unterschied zu erkennen.

Oppo zeigt, wie gut Mittelklasse sein kann

Mit den zwei Reno-Modellen hat Oppo die Mittelklasse schön abgedeckt. Das normale Reno 6 deckt die Handy-Grundbedürfnisse mehr als ab. Man erhält ein rundum gelungenes Smartphone, das keine richtigen Schwächen hat.

Es ist nicht spektakulär, aber bietet in vielen Bereichen mehr, als man für diesen Preis erwarten kann. Von der hochwertigen Verarbeitung über den Fingerabdruck-Scanner im Screen und das Schnelllade-System bis zu sehr guten Kamera.

Für 499 Franken ist das Reno 6 ein guter Deal. Dank Cashback-Aktion gibts das Gerät zum Start bereits für 399 Franken, dann wird der Deal natürlich noch besser.

Mit 799 Franken zahlt man für die Pro-Version dann einen deutlichen Aufpreis. Man kommt auch mehr dafür: mehr Speicher, mehr Kameraqualität und mehr Prozessor-Leistung. Das Pro ist dann in vielen Bereichen schon nahe an der Oberklasse. Aber ob einem dieses Plus an Leistung die 300 Franken wert sind, das muss jedermann selber entscheiden.