So behaupten sich die Handy-Konzerne dieses Jahr

Wer kann gewinnen? Wer wird es 2021 schwer haben? Wo gibts das grösste Potenzial und wer braucht ein Wunder? Apple, Samsung, Oppo, Huawei, Nokia und Co. auf dem Prüfstand.

TextLorenz Keller


Es ist einiges in Bewegung auf dem Handy-Markt in der Schweiz. Neuere Anbieter wie Oppo, Xiaomi oder Nokia wollen auch ein Stück vom Kuchen haben. Die Platzhirsche Apple, Samsung und Huawei müssen um ihre Kunden kämpfen. Lesen Sie hier unsere Analyse: So behaupten sich die Handy-Konzerne dieses Jahr.

Alle Infos zu den wichtigsten Handy-Trends gibts übrigens hier in diesem Artikel. Und hier finden Sie den Vergleich der besten Smartphones 2020: Einfach auf diesen Link hier klicken.

Apple: Wer hoch fliegt, kann tief fallen

Das letzte Jahr lief für den US-Konzern super. Trotz Corona konnte Apple viele Neuheiten präsentieren, die Kritiker wie Käufer überzeugt haben. Vom iPad Air über die vier neuen iPhones bis hin zu den Macs mit M1-Chip und den Airpods Max zum Jahresende.

Das Luxusproblem von Apple: Diesen Erfolg zu wiederholen, ist nicht einfach, vor allem nicht im Smartphone-Bereich. Denn das iPhone 13 dürfte deutlich weniger Neuerungen bieten als der Vorgänger. Keine neuen Grössen, kein neues Design, kein neues Feature wie Magsafe, keine sichtbaren Display-Verbesserungen.

Im Gegenteil: Apple hat vier Probleme, die unbedingt gelöst werden müssen. Hausgemacht ist die geringe Differenz zwischen dem normalen iPhone und dem Pro-Modell. Das könnte man mit einem 120-Hertz-Bildschirm fürs iPhone 13 Pro lösen. Allerdings: Eine solche Bildwiederholrate ist bei den Android-Geräten nicht nur im Topsegment bereits Standard. Käufer des normalen iPhone 13 könnten enttäuscht sein, wenn der Screen hinter die Konkurrenz zurückfällt.

Fast noch ärgerlicher ist der fehlende Fingerabdruckscanner. Denn wer Maske trägt, ist mit der Gesichtserkennung angeschmiert. Hier ist die grosse Frage, ob Apple einen Scanner unter dem Screen oder an der Seite zurückbringen kann und will – obwohl das wahrscheinlich in der langfristigen Planung nicht vorgesehen war.

Übrigens: Leser haben uns hingewiesen, dass es die Möglichkeit gibt, auch einen Scan mit Maske einzurichten. Hier kann man nachlesen, wie das funktioniert. Allerdings: Funktioniert hat das bei uns im Test nicht wirklich und ist darum sicher nicht für jedermann alltagstauglich.

Zu guter Letzt muss Apple irgendwann eine Entscheidung bei den Anschlüssen fällen. Bei iPad und Mac ist USB-C Standard, beim iPhone weiter der eigene Lightning-Anschluss. Wird nun Apple ebenfalls auf USB-C umschwenken? Oder wartet man noch etwas und lässt den Anschluss dann ganz weg? Das wäre Apple-typisch, aber sehr riskant.

Samsung: Comeback im Topsegment

2020 lief für die Koreaner nur mittelmässig. Denn das S20 wurde bei uns mit dem ressourcenhungrigen Prozessor Marke Eigenbau ausgeliefert. Das ergab etwa bei der Akkulaufzeit deutlich schlechtere Werte als bei den Tests in den USA. Zudem war das eigentliche Flaggschiff, das S20 Ultra, eine Enttäuschung. Es kämpfte mit Softwareproblemen und konnte die Erwartungen nie erfüllen.

Das zweite Galaxy Fold und das Galaxy Note 20 Ultra brachten Samsung dann zwar aufs gewohnte Niveau zurück, beides waren aber keine Massengeräte. Erst das preiswerte S20 FE im Herbst zeigte dann, was Samsung wirklich draufhat.

2021 verschwendet Samsung keine Zeit und zeigt schon am 14. Januar das Massenmodell Galaxy S21. Alles dazu gibts hier in diesem Artikel. Wohl setzt Samsung im weltweiten Vertrieb weiterhin auf zwei Prozessoren-Typen, hoffentlich haben die Koreaner die Unterschiede zwischen ihnen deutlich verkleinert.

Sonst scheint Samsung mit verfeinertem Design und guter Ausstattung zurück auf der Erfolgsspur zu sein. Auch wenn es imagemässig ein Risiko wäre, wie Apple auf Charger und Kopfhörer in der Box zu verzichten.

Und das Jahr ist noch lang: Samsung dürfte weitere Falttelefone auf den Markt bringen, vielleicht gar erstmals zu Preisen um die 1000 Franken. Und wie behaupten sich die anderen Handy-Konzerne dieses Jahr?

Oppo: Bereit für den nächsten grossen Schritt

Der BBK-Konzern ist mit gleich fünf Smartphone-Brands die Nummer 2 weltweit nach Samsung – bei den Stückzahlen. Offiziell in der Schweiz vertreten ist bisher nur Oppo. Und die haben in den etwas mehr als einem Jahr auf dem Markt einen tollen Start hingelegt.

Oppo ist kein Billig-Hersteller und hat 2020 mit dem Find X2 Pro und der Reno-4-Serie bewiesen, dass man in der obersten Smartphone-Liga mitspielen kann. Im neuen Jahr will sich Oppo auf dem Markt etablieren und sich längerfristig sicher als dritte Kraft auf dem Markt etablieren.

Mit Falt-Konzepten, Selfie-Kameras unter dem Bildschirm und rollbarem Screen zeigt der chinesische Hersteller auch, dass jederzeit mit spannenden Innovationen zu rechnen ist. Oppo kann es sich dabei durchaus auch erlauben, etwas mehr zu wagen. Letztes Jahr etwa mit der Lederrückseite fürs Find X2 Pro und dem speziell behandelten Glas beim Reno 4, das praktisch keine Fingerabdrücke mehr aufnahm. Zudem ist Oppo auch im Bereich 5G Pionier.

Huawei: Licht am Horizont

Mit starken Verkäufen im Heimmarkt China konnte Huawei die Einbrüche in Europa verkraften. Zwar bemüht sich der Hersteller mit eigenem App-Store und kleinen Tricks die Folgen des US-Boykotts abzuschwächen. Aber nach wie vor ist es so: Die Google-Services fehlen auf allen neuen Geräten, was für Google-Nutzer alles deutlich mühsamer macht – und auch für alle anderen alles etwas mühsamer.

Die zwei neuen Smartphones 2020, das P40 Pro und das Mate 40 Pro, konnten aber sonst technisch überzeugen. Mit guten Kameras, schönen Bildschirmen und fairen Preisen.

2021 wechselt die US-Administration. Das könnte eine Chance für Huawei sein, zumindest beim Smartphone-Bereich Ausnahmebewilligungen zu ergattern – oder gar ganz von der Handelsboykott-Liste zu verschwinden. Nicht vergessen darf man aber, dass es den Amerikanern um 5G-Netzwerktechnik geht und die Smartphones nur Kollateralschaden sind.

Nokia: Viel Nachholbedarf nach den Corona-Schwierigkeiten

Von Nokia gab es 2020 nicht viele neue Geräte. Die wenigen günstigen Einsteigermodelle wie das Nokia 3.4 für 160 Franken überzeugten, hier kann man das im Test nachlesen. Anders sah das beim vermeintlichen Spitzenmodell, dem 8.3 5G aus (Review gibt es hier).

Das erste 5G-Gerät von Nokia litt wie kein anderes unter der Corona-Krise. Und zwar weil Nokia als neuer Sponsor der James-Bond-Filme das 8.3 zeitgleich mit dem neuen 007-Streifen auf den Markt bringen wollte. Doch der wurde vom Frühling in den Herbst und dann noch weiter verschoben. Das Handy wurde ebenfalls im Frühling angekündigt und verschoben.

Als Nokia das 8.3 im Herbst dann doch bringen musste, gabs keine Promo durch den Film, und das Gerät war halt nicht eines der ersten 5G-Telefone zu einem guten Preis, sondern nur noch ein mittelmässiges Phone zu einem etwas zu hohen Preis.

2021 dürfte also die finnische Marke grossen Aufholbedarf haben. So sollte etwa der Nachfolger zum ausgezeichneten und erfolgreichen Nokia 7.2 auf den Markt kommen. Und vielleicht gibts auch wirklich mal ein Flaggschiff, das technisch überzeugt und zum richtigen Zeitpunkt kommt. In der Oberklasse hatte Nokia bisher kein glückliches Händchen.

Xiaomi: Auf der Überholspur, auch in der Schweiz?

Neben Oppo gehört Xiaomi in Europa zu den grossen Gewinnern des letzten Jahres, die sich auf die Jagd nach Huawei-Marktanteilen machen. In der Schweiz ist der chinesische Hersteller aber noch immer nicht so ganz durchgestartet. Zwar sind mehr oder weniger alle Modelle inzwischen offiziell erhältlich, aber teilweise mit Verzögerungen und ohne grosse öffentliche Begleitmassnahmen.

Dabei hat Xiaomi viel zu bieten: tolle Technik mit innovativen Features zu tiefen Preisen, wie etwa der Test des Poco X3 NFC und das Mi 10T Pro gezeigt hat. Und die Chinesen sind auch immer wieder für Überraschungen gut. So ist das erste 2021 angekündigte Smartphone das Mi 11 mit Riesen-Akku, 108-Megapixel-Kamera und dem neusten Snapdragon-Prozessor.

Xiaomi wird garantiert auch 2021 viele Neuheiten raushauen. Ob der Schweizer Markt dabei stärker in den Fokus kommt, ist noch unklar.

So behaupten sich die anderen Handy-Konzerne dieses Jahr

Daneben gibt es ja noch viele weitere Hersteller. OnePlus etwa ist in den USA immer ein grosses Thema. Bei uns ist die Marke nur als Import erhältlich, viele Tech-Fans schwören aber darauf. Vivo aus demselben Konzern könnte in der Schweiz aber schon 2021 mit einer aggressiven Preisstrategie offiziell starten.

2020 hat auch Asus mit seinen Smartphone auf sich aufmerksam gemacht. Bei uns ist der Hersteller ja eher aus dem Computer-Bereich bekannt. Das Zenfone 7 Pro gewann aber in den USA einen grossen Kamera-Blindtest – und hat auch bei uns im Test überzeugt. Allerdings gilt auch hier: Offiziell bietet Asus bei uns nicht alle Geräte an, als Import ist es ein Nischenprodukt.

Die zwei ehemalige Smartphone-Grössen Sony und LG spielen inzwischen nur noch zweite Geige. Sony hat zwar mit dem Xperia 5 II und dem Xperia 1 II endlich wieder mal Smartphones lanciert, die bei den Kritikern gut angekommen sind. Gekauft werden sie primär von Sony-Fans und allen, die nicht mit dem Mainstream mitlaufen wollen.

LG hat sich 2020 auch sehr zurückgenommen im Handy-Markt – mit einer Ausnahme. Das LG Wing mit seinen zwei Screens, die man zu einem «T» drehen kann, war wohl das skurrilste Gerät des Jahres, das in den Tests gar nicht mal so schlecht weggekommen ist. Immerhin gibts die zwei Brands im Smartphone-Bereich noch. HTC hingegen ist ganz weg vom Fenster, da gibts keine neuen Geräte mehr.

Bei den Newcomern ist es um die französische Marke Wiko etwas ruhiger geworden, die vor einigen Jahren stark in den Einsteiger-Markt gedrängt sind. Eine ähnliche Strategie, nämlich möglichst viele tolle Features für möglichst wenig Geld, verfolgt auch Realme. Während Wiko in der Schweiz offiziell erhältlich ist, gibts Realme bislang nur als Import.